[RF] Ein Spiel der Rubine – Die Händler-Protokolle

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  • #5336
    Renegat
    Teilnehmer

    SESSION 1: Gift für die Gilden
    In der Bar „Ekratos Schein“ die sich auf der Vergnügungsebene der Raumstation Rokanghet befindet wurde ein Gildenratstreffen einberufen um über die Möglichkeiten zu debattieren, die An- und Abflugssperre auf der Station, von Sirakhun Mithrai verkündet wegen des Anschlags auf Sirakhun Rokhin, zu beenden und dabei Einfluss und Druck auf die Stationsadministration auszuüben.

    Alle Gilden bis auf die Vertreter des ahmandischen Basars sind zusammengekommen um über eben jenes Thema zu beratschlagen, als das Treffen eine dramatische Wendung nahm, die Gildenvorsteher der Imperialen und der Loxonischen Gilde brachen zusammen, nach ersten Untersuchungen vermutete man eine Vergiftung.

    Soral ein paranormisch begabter Psychologe und Hellseher mit einer eigenen Sendung auf Astro Holovision schickt seinen Geist auf Wanderung um die Bediensteteten des „Ekaratos Schein“ um Hilfe zu rufen, da die Türen des Separees in welchem das Gildenratstreffen stattfindet manipuliert worden waren und sich nicht öffnen ließen.

    Zudem sind die Kommunikationsgeräte der Anwesenden durch die hermetische Abriegelung des Raumes für „besondere Anlässe“ wirkungslos, die barinterne Kommunikation wird durch einen Störsender gestört, den man in der Schärpe des konföderierten Gildenvorstehers gefunden hat.

    Versuche die Tür zu öffnen scheitern, bis Karl Krieger, ein Halbnovat – Waffenhändler und Vorsteher der Taesarischen Hanse auf Rokanghet – das Metall des Schotts zu Wasser verwandelt und so einen Durchgang schafft.

    Die vergifteten Mitglieder des Gildenrats können trotz des nun verständigten medizinischen Notfallteams nicht gerettet werden und man kontaktiert die Asphonshor um den Tatort sichern zu lassen und erste Ermittlungen beginnen.

    William Bray, der Besitzer des „Ekratos Schein“ und inoffizielles Mitglied der Ekrainischen Gilde erfährt von seinem Barchef, dass eine seiner Tänzerinnen nicht zum Dienst erschienen ist, aber dafür kurz zuvor unplanmäßig in der Bar gearbeitet hat

    Als die Asphonshor eintreffen, gehen die Versammelten davon aus, dass der Vorfall nun geregelt wird, doch kurze Zeit später verkünden die Asphonshor July, die Vorsteherin der Ekrainischen Gilde, zu verhaften. Auf Zuruf des männlichen emanzipierten minelauvanischen Söldners Bluquam, dass die Vorsteherin der Minelauvanischen Handelsgilde wohl auch Dreck am Stecken hat, wird diese unter Rufen der Empörung seitens der anderen männlichen Minelauvanern ebenfalls verhaftet.

    Den Anwesenden geht jedoch so langsam ein Licht auf, dass mit den Asphonshor etwas nicht stimmen kann, als diese der Leiche keines Blickes würdigen und auch den medizinischen Einsatzkräften keine Anweisung bzgl. der Leichen geben und allgemein sehr wenig Interesse an der Aufklärung des Falls zeigten, sondern äußerst schnell mit den verhafteten Personen verschwunden sind.

    Als der Groschen fällt, eilt die Gruppe, bestehend aus Soral, Bluquam, Karl und William hinterher und können nach kurzer Distanz die Leiche der Minelauvanerin entdecken, die mit großer Gewalteinwirkung ermordet wurde.

    William beschließt daraufhin seine Kontakte zur Asphokhun Corai zu nutzen, um diese über den Vorfall und den vermeintlichen Betrügern zu informieren und nun die wahren Asphonshor auf den Plan zu rufen.

    Derweile folgt der Rest der Gruppe einer Spur aus minelauvanischem Blut, das wohl von der Kleidung der Täter runter getropft ist und Sie gelangen zu einem Eingang eines Lagers.

    Nach kurzem Sammeln an der Tür öffnet Bluquam die Tür, wobei er nicht bemerkt, dass er beim Öffnen der Tür einen Splint einer Richtmine zieht und löst unter großen Knall die Mine aus, die ihn zu Boden wirft und selbst seine massive Rüstung nicht unbeschädigt lässt.

    Die Gruppe ist nun gewarnt. Sie helfen dem Minelauvaner mittels medizinischer Ausrüstung wieder auf die Beine und betreten vorsichtig, ständig das Heulen der Alarmsirenen der Station im Ohr das Lager und müssen erkennen, dass das ganze Lager gespickt ist mit Minen.

    Karl, der Waffenspezialist in der Gruppe, versucht eine der Minen zu entschärfen, während der Rest der Gruppe draußen verbleibt. Er kommt jedoch nicht mit dem primitiven Auslöser durch eine Reißleine zurecht, da er in der Regel mit moderneren Mechanismen arbeitet und löst die Mine dabei aus. Die Explosion erfolgt und löst ebenfalls das Feuerbekämpfungssystem der Station aus, der Halbnovat bleibt aufgrund der Beschaffenheit seines Körpers durch die Verbindung zum Astronium nahezu unverletzt.

    Die Gruppe schafft sich eine grobe Übersicht über das Lager, während Bluquam einen Kontakt über eine reiche Ausbeute an Richtminen informiert, die er sich nur abzuholen braucht. Von den falschen Asphonshor ist keine Spur zu finden im Lager, daher wird vermutet, dass sie durch einen der anderen Ausgänge hinaus gelangt sind und fürs Erste entkommen.

    Die Stationssicherheit kommt kurze Zeit später an dem Lager an und beginnt die Ermittlungsarbeiten, was dem Kontakt von Bluquam leider von seiner Beute abschneidet.

    Die Gruppe bespricht sich nun über das weitere Vorgehen.

    Text: Friesus
    Spieldauer: 3h
    EP : ?

    #5337
    Renegat
    Teilnehmer

    SESSION 2: Sorals Vidiary, Eintrag X82

    Ein übereifriger Asphonshor hat mir heute abend noch einen Patienten in den Terminkalender gedrückt, daher komme ich erst jetzt zu diesen Aufzeichnungen. Dieser Muksiron Torwin hat den Testosteronspiegel eines Tokmarden. Dass er eine Kameradin sexuell belästigt haben soll wundert mich nicht, auch wenn er nach eigenen Worten unter „belästigen“ einen Fausthieb ins Gesicht versteht. Bei den Schocktruppen ist er jedenfalls richtig aufgehoben, beweisen ja auch seine hervorragenden Missionsabschlüsse. Eine Anti-Aggressions-Therapie halte ich für verschwendete Ressourcen. So ein Mann auf einer Raumstation ist wie ein Kampfhund im Zwinger. Der braucht einfach Auslauf. Also mit besten Empfehlungen zurück.

    Aber jetzt zu gestern. Den Attentätern auf die Gildenversammlung im Ekratos Shine war die Flucht geglückt, ziemlich spektakulär möchte ich sagen. Die Explosion zeugt von einem kreativ-schizoiden Charakter des Organisators, mit einem Hang zum Größenwahn.
    Nachdem wir den Staub der heftigen Sprengfallen-Detonation abgeklopft haben, Blu – das ist dieser Minelauvaner mit der gynophobischen Störung dessen vollen Namen ich schon wieder vergessen habe – von einem MediBot verarztet wurde, folgten wir unser vielversprechendsten Spur: Die Angestellte des Shine, die einerseits zur Schicht nicht aufgetaucht war, andererseits zu einer ungeplanten Schicht tags zuvor aufgekreuzt war, Kim Shitako. Merkwürdigerweise konnte Barbesitzer Bray auf ihre Wohnadresse nicht von Ferne zugreifen und im Shine zeigte sich auch, warum: Jemand hatte ihre komplette Personalkartei gelöscht. Während dieser taesarische Halb-Novat, Krieger, die Datei wieder herstellte, lernte ich an der Theke einen Allianzaraber kennen, Abdul mit einem unendlich langen Nachnamen. Faszinierende und sehr einnehmende Persönlichkeit, beherrscht die alliierte Bazar-Manipulationstechniken genauso wie die freundliche, subtile Drohung. Seine Gewürzladung steckte wohl aufgrund der Handelsblockade von Rokanghet im Zoll und daher war er mehr als bereit, uns dabei zu helfen, die Verbrecher ausfindig zu machen, die einen Keil zwischen die Gilden treiben wollten.
    Ich hätte ja bei Frau Shitako einfach geklingelt, aber Blu musste unseren Auftritt überdramatisieren. Wir drangen also ungefragt ein und erwischten die völlig verängstigte Kim Shitako gerade, als sie durch einen Wartungsschacht zu fliehen versuchte. Ich versuchte die Terranerin sehr freundlich davon zu überzeugen, mit uns zu kooperieren, während Abdul und Blu unverholen Gewalt androhten. Ehe sie einen Nervenzusammenbruch erlitt verriet sie uns, dass ein Loxoner sie zu ihrer Tat im Shine gezwungen hatte. Dessen Leute hatten ihre Schwester in ihrer Gewalt. Krieger erkannte den Erpresser nach einer Beschreibung als einen dubiosen Geschäftspartner seiner Waffenschiebereien. Ich bin mir sicher, Kriegers Geschäfte sind nicht alle so legal, wie es das Gesetz unseres glorreichen Vaterlandes fordert. Dass man ihn gewähren lässt nehme ich als Indiz großer Weisheit unseres Geheimdienstes. Daher habe ich ihn mal um ein Beratungsgespräch gebeten. NOTIZ an mich: Termin ausmachen.
    Über einen wichtigen Kontakt von Blu erhielten wir einen genaueren Hinweis zu dieser Person: Sie soll sich öfter auf Hangardeck 3, Abteilung C, herumtreiben. Aus meinen vertraulichen Patientengespräche weiß ich, dass dort Schmuggler ihr Unwesen treiben. Shitakos Erpresser hieß Jake Yakashi und treibt sich des öfteren im „Haus der Ahnen“ herum. Logischerweise war das unser nächstes Ziel. Ich jedenfalls fand das „Haus der Ahnen“ so heruntergekommen, als hätten eben jene Namensgebe die Spilunke als letztes renoviert. Seither treiben sich vor allem Dockarbeiter und traditionell gekleitete Loxoner dort herum. Beim Personal – erstaunlicherweise keine Bots sondern Menschen – wird gespart. Sie besitzen keine anständige Kleidung; Ihre Fetzen lassen die Großteile ihres Körpers unbedeckt.
    Zugegeben ich hätte vielleicht vorher meine Urlaubskleidung anziehen sollen und nicht meinem üblichen, konföderierten Bürgeranzug. Ich habe die schöne Conaresh-Brosche abgenommen. Möglicherweise einen Moment zu spät, ja. Aber nun mal ehrlich: Wir sind auf einer konföderierten Station! Alle Personen im Haus der Ahnen sind nun mal Gäste in unserem wunderbaren Reich. Da kann man ja wohl erwarten, dass die Leute Nezordrular sprechen! Ich habe diese feindseligen Blicke sehr wohl gemerkt ja. Aber ernsthaft: Wenn eure tollen Samurai wirklich so großartig sind, dann hätten sie vor 10 Jahren auch gewonnen. Ihr habt aber verloren. Kommt endlich darüber hinweg! Ich kenne da therapeutische Literatur…
    Durchatmen, Soral. Einundzwanzig, zweiundzwanzig… Jedenfalls hat mir der Barkeeper – der ganz klar Minderwertigkeitskomplexe hat, sonst hätte er sich nicht dazu hinreißen lassen – mir einen kochend heißen Sake serviert. Ich mag das Gesöff sowieso schon nicht aber die Beleidigung hinter der Geste war sogar mir klar. Ich habe das Glas in einem Zug geleert. Fand er wohl gut, und die loxonische Runde an einem Tisch auch. Während die anderen sich hinter ihren Gläsern versteckt haben hatte ich die Gelegenheit genutzt und Erstkontakt hergestellt. Es gelang mir, ein wenig mit meinen übernatürlichen Fähigkeiten zu flunkern. Allerdings präsentierte mir ein Möchtegern-Samurai ein Katana und ich konnte tatsächlich ein Echo aus der Vergangenheit spüren. Das Schwert hatte eine jahrhundertealte Geschichte und viel Blut an der Klinge. Das frischeste stammte – wie ich im Nebel der hohen Ebene sehen konnte – von keinem geringeren als Jake Yakashi. Das war natürlich ziemlich ungünstig für unsere Ermittlungen. Der Besitzer glaubte meiner Ausführung über die Zukunft des Schwertes leider nicht und forderte uns auf, ihn in ein Hinterzimmer zu folgen. Was für ein Klischee! Wie sich herausstellte war der Beinahe-Samurai aber tatsächlich recht ernst zu nehmen; nicht wegen seines wichtigtuerischen Auftretens hinter dem ich zunächst entwicklungshistorische Unsicherheit vermutete, sondern weil er tatsächlich ein vollständiges Waffenset eines Samurai besaß. Familienbesitz, wie ich durch meine Vision wusste. Es ist eigentlich unmöglich einen Halb-Novaten zu beeindrucken aber die Schwertfamilie ließ sogar Kriegers Augen überquellen. Vermutlich war die Selbstbezeichnung „König von Hangardeck 3“ doch nicht so abwegig, zumindest wenn man es finanziell betrachtet. Er gab unumwunden zu, Yakashi selbst getötet zu haben. „Weil ich von ihm enttäuscht war.“ Diese Loxoner! Wenn ich das machen würde wäre meine Couch eine Schlachtbank. OK, Jake hatte ihn wohl hintergangen. Aber der verlorene Sohn hatte wohl ein Geheimversteck und der Samurai teilte uns das auch mit, nachdem wir gelobt hatten, und nie wieder in Abteilung 3C sehen zu lassen. Was bildet der sich eigentlich ein, wer er ist? Es braucht nur einen schlechten Tag eines Apshonshor und der ist schneller bei seinen Ahnen als er „Katana“ sagen kann.
    Beim Versteck entdeckten die anderen eine Menge, während ich vor allem nur eine offene Quartier-Tür vor mir sah. Wie sich herausstellte war es von einem Spezialteam gestürmt worden. Die Überfallenen – mutmaßlich die Attentäter auf die Gildenversammlung und Entführer von Julie, der Chefin der ekrainischen Gilde – waren wohl tot, aber ihre Leichen abtransportiert. Merkwürdigerweise hatten sie Julie gefesslet und geknebelt in einer kleinen Abstellkammer zurück gelassen. Man sollte meinen, dass das Erlebnis der Geiselnahme Julie in einen Schockzustand versetzt hätte. Aber ihr Narzismus ist so monumental wie ein imperialer Titan-Schlachtpanzer und so stolzierte sie hinaus, nachdem sie sich herab gelassen hatte, uns ein paar Fragen zu beantworten. Ich mag sie. Der Ort war natürlich aufgeladen mit Emotionen und daher ein leichtes, auf der Hohen Ebene die Fäden zu finden, die mich in die Vergangenheit zogen, um zu sehen, was in diesem Quartier geschehen ist. Ich konnte mitererleben, wie die Leute – es waren auch die zwei falschen Asphonshor darunter – von fünf Angreifern extrem präzise nieder gemacht wurden. Die Angreifer schienen sich zu vergewissern, dass es Julie gut ging, ehe sie ihre Spuren verwischten und abzogen. Nur eine Patronenhüle vergaßen sie, die unter ihre Transportkapsel gerollt war. Ich entdeckte noch etwas anderes, aber das ist eine heikle Sache. Diese Information teilte ich allerdings bislang nur mit Blu, er erschien mir vertrauenswürdig genug.
    Jedenfalls ist unsere Suche hier wohl erst ein Mal beendet. Hoffen wir, das Krieger etwas über dies Projektil herausfinden kann. Wer auch immer den Plan verfolgt, Zwietracht unter den Gilden zu sehen, er hat sich sehr viel Mühe gegeben und die Sache fast perfekt durchgezogen. Aber wer könnte ein Interesse haben, dass die Gilden nicht mit einer Stimme sprechen? Will eine Gilde ihre Macht ausbauen? Die Blockade schadet doch allen. Sehr viel unangenehmer ist die zweite Möglichkeit, die mir einfällt: Jemand möchte nicht, dass auf die Militärführung Druck ausgeübt wird, die Blockade zu lockern. Der konföderierte Geheimdienst?

    Ich bin immer noch ziemlich erschöpft. Es ist zwar schon spät aber eine Runde in dem buddhistischen Tempeln zur Meditation sollte mir gut tun. Zumal ich morgen Julie in der Sendung habe. Das könnte interessant werden.

    Text: Daniel
    Spieldauer: 3h
    EP : ?

    #5571
    Renegat
    Teilnehmer

    SESSION 3: Sorals Vidiary, Eintrag X83

    Es hätte für mich ein entspannter Tag werden können, und bestimmt ein heldenhafter für die Konföderation. Jeder Tag ist heldenhaft für die Konföderation. Wenn das alle Kriegsherren – auch die ohne narzisstische Persönlichkeitsstörung – jeden Tag zu uns sagen, muss etwas dran sein. Irgendwo gibt es ja immer einen Sieg. Zum Beispiel auf Rokanghet. Der Anschlag auf Sirakhun Goral war aufgeklärt, der Drahtzieher, ein zwielichtige. loxonische Arzt, massentauglich an die Wand gestellt und irgendwelche Handlanger ebenfalls der Gerechtigkeit des Kirends zugeführt worden. Endlich hatten die Leute sich ausreichend über loxonische Verschwörungen das Maul zerrissen und freuten sich wieder auf unterhaltsamere Themen, zum Beispiel meine Sendung. Ich hatte die Vorkommnisse auf dem Handelsgildentreffen und das blutbespritzte Quartier, in dem wir das Entführungsopfer Julie gefunden haben, fast schon erfolgreich verdrängt. Aber wie gesagt, es hätte ein entspannter Tag würden können. Aber wenn er mit einem Albtraum beginnt, ist das nur dann kein schlechtes Zeichen, wenn er nicht mit diesem Kribbeln einher gegangen wäre; das Kribbeln sind Ausläufer der Hohen Ebene und wenn das mit einem Albtraum zusammen hängt, dann muss etwas dran sein. Ich leide weder an Hyposomnie noch bin ich Esoteriker.
    Ich sah die zerstörte Rokanghet und jede Menge Explosionen und eine imperiale Flotte, die die Station fachgerecht zerlegte. Kein Wunder, dass mir diese potentielle Zukunftsvision meinen Schlaf raubte.

    Als gewissenhafter Bürger der Konföderation und im Bewusstsein, dass mein bescheidenes Quartier Impulsartillerie ungefähr genauso lange standhält wie ein Fass Blauscotch in den Händen eines Grimz-Schakal, rief ich also Insiron Jehendral an. Wie ich aus seiner Patientenakte wusste hatte er meistens die dritte Schicht in der Sensorstation, weil die Ruhe der Stationsnacht seiner Hypersensibilität zupass kam.
    Angeblich waren die einzigen Imperialen in der Nähe ein Superfrachter am Gratpunkt. Er schenkte meiner Sorge dennoch Gehör und ich musste ihn noch nicht ein Mal mit der Weitergabe meiner psychotherapeutischen Befunde an seinen Vorgesetzten erpressen. Ich wollte gerade wieder an die Planung meiner Sendung mit Julie – die zweifellos ein ganz bezaubernder Gast sein würde – machen, als dieser Halb-Novat mich anrief. Dr. Krieger, der Taesari. Dieser unfreiwillige Hansevertreter und Waffennarr. Und ich bin mir bis heute nicht sicher, ob er wirklich einen Doktortitel hat und um was für einen Doktor es sich dabei überhaupt handelt und ob der überhaupt mehr wert ist als ein halber Credit; aber bei einem Taesari kann man ja erst mal von etwas Ernsthaftem ausgehen.
    NOTIZ an mich: Herausfinden, ob Krieger überhaupt einen Doktortitel hat oder ich irgendwie davon ausgegangen bin, nur weil er ein vertreter von Superintelligenz ist.
    Die brisante Information, weswegen er gerade wohl die Preise seiner Ware erhöht hatte und mich anrief, war, dass sich hinter oder in diesem Superfrachter eine imperiale Streitmacht mit Ziel Rokanghet verbarg. Unschön. Sein Informant wiederum, dieser Minelauvaner Blu, war wohl dabei, alle Hebel in Bewegung zu setzen um eine Passage runter von der Station zu bekommen. Typisch Minelauvaner. Von einer Qamla würde ich immerhin noch erwarten, dass sie dem Angreifer ein Geschäft anböte, sagen wir mal sowas wie „taktische Informationen für mein Überleben plus Bonus“. Aber Blu war ja ein Männchen. Flucht! Soviel Anti-Patriotismus stößt mich normalerweise ab, aber da ich einen sehr, sehr eindrücklichen Traum gehabt habe und auch Dr. Krieger – und der ist ja in puncto Dummheit absolut unverdächtig – ebenfalls eine Passage wollte, rief ich erneut bei Insiron Jehendral an um uns dreien einen Flug zu sichern, im Gegenzug zu den taktsichen Informationen Blus. Der gute Jehendral war schon ziemlich im Stress aber ging darauf ein. Ich vermutete, wenn sein Morgen so weiterginge, wäre er reif für die Nervenheilanstalt und machte mir eine Notiz für seinen behandelnden Arzt Dr. Chatul. Außerdem vereinbarte ich ein Treffen mit Dr. Krieger und Blu im Ekratos Shine, um genauer zu beraten. Vor allem bei mir durfte das auf gar keinen Fall wie eine Flucht „Hals über Kopf“ aussehen. Das würde meinem Image in der Öffentlichkeit maßlos schaden und wer mich kennt, der weiß, dass ich an glorreicher Front bis zum letzten Atemzug für den Kriegsherrn kämpfen würde. Mein Traum sah aber irgendwie sehr wenig nach „glorreicherr Front“ aus, sondern eher wie „Hühnerstall mit offenen Türen, addiere Wolf“. Aber noch hatte ich die Chance, das ganze wie eine gediegene Reise nach Gonshutar aussehen zu lassen, für eine Sondersendung von der Hauptwelt. Das will ich ja schon immer mal machen.

    Voller Inspiration tauchte ich im Ekratos Shine auf, wo meine Illusion zerstört wurde, und zwar in Form eines panisch packenden Barbesitzers William Bray. Offenkundig wusste die ganze Station über das drohende Unheil Bescheid. Das war mehr als ärgerlich und die Flasche Hochprozentiges, die mir Bray zum Abschied schenkte, keine Kompensation, allenfalls ein rauschender Trost. Potomanie? Wäre ein Versuch wert.
    Nicht nur Krieger kam dazu, sondern auch ein sympatischer Bazar-Händler namens Rashid el Kafid. Der war neu und ersetzte diesen Historiker. Dass Blu dazustieß, war überraschend, hatte ich doch richtig vermutet, dass er zunächst auf eigene Faust seinen Abflug bei irgendeinem Cargorag-Schakal zu organisieren versuchen würde. Julie scheint ihm jedenfalls die Passage gestrichen zu haben und der Grund dafür (und auch für Rashids Auftauchen) war eine Nachricht von dem imperialen Superfrachter. Ein Imperialer Handelskonsul befand sich an Bord und wollte mit seinen Handelsgilde-Vertretern auf der Station Kontakt aufnehmen. Nun hatten die imperialen Gildenvertreter auf unserem letzten Gildentreffen ja endgültig Abschied von ihren Geschäften genommen, wenn auch unfreiwillig. Das hatte ja diese ganze Misere ausgelöst. Offenbar hatte niemand es für nötig gehalten, im Imperium mal anzurufen. Dass die Nachricht mit einem ISD-Code unterfüttert war, dass die taktischen Informationen Blus und mein Traum wenig Vertrauen erweckten, ließen die Ahnung aufkommen, dass der Handelskonsul vielleicht etwas ungehalten reagieren könnte. Und wenn ich „ungehalten“ sage, dann meine ich „mit Raketen“.
    Julie fasste meinen Verdacht auf die kommende Aufgabe konkret zusammen: Wir, die wir bei dem Aufklären des Mordes und ihrer Entführung dabei waren, sollten alle Informationen sammeln, am besten inklusive Mörder, und den Imperialen begrüßen. Dr. Krieger hatte ganz offenkundig kein Interesse daran und sah die einmalige Chance gekommen, auf kreative Weise von der Station zu verschwinden; nämlich, indem die Station verschwinden würde. July machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Also hieß es: Frisch ans Werk für Kriegsherr, Ruhm und Vaterland!

    Im Asphonshor-Hauptbüro ließen wir unseren Einfluss spielen, um schließlich an das Who-is-Who der Rotröcke zu gelangen. Nein, nicht die Asphokhun Corai, sondern der heimliche Star: Kein geringerer als der strahlende Aspho-Meorak Ruben Laplace empfing uns und unsere Frage nach den Morduntersuchungen. So hell wie seine Haut war er allerdings in seinem übergroßen Kopf nicht. Er schien irgendwie überhaupt nicht bei der Sache zu sein. Andererseits machte Dr. Krieger mit seinem Auftritt die Enttäuschung mehr als wett, als er Laplace quasi seinen eigenen Job erklärte. Chapeau, sagt man glaube ich bei den versnobten Taesari. Jedenfalls erhielten wir die Untersuchungsberichte und aus denen ging hervor, dass die Attentäter der von uns gefundenen Attentäter des loxonischen Untergrundes eine Splittergruppe der ahmandischen Halbmondgeschwister waren. Ja, das klingt genauso verknotet wie das, was meinem Gehirn passiert, wenn ich nur länger darüber nachdenke.

    Mit den Informationen jedenfalls konnte Dr. Krieger seine Kundendatei nach entsprechenden Waffengeschäften überprüfen und wir fanden uns im „Haus der Ahnen“ ein, und von dieser wenig sympathischen Kaschemme habe ich schon in meinem letzten Eintrag erzählt. Diesmal waren wir wenigstens außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten da. Mit den Söldnern der Söldnergilde war der laden aber gut gefüllt. Bewacht von einer Horde Söldner tranken wir nett Tee mit einem der loxonischen Untergrund-Köpfe, wobei ich mir einen Tipp an die Asphonshor nur deswegen verkneife, weil ich mir dann Sorgen um meinen Kopf machen würde und der gute Mann sicherlich für seinen Kopf hervorragend vorgesorgt hatte. Jedenfalls waren laut seiner Aussage innerhalb seiner Organisation bereits Köpfe gerollt, weil der Angriff auf die Gilden keine offizielle Aktion des Untergrundes war. Man habe sich bereits um die Attentäter und ihre Unterstützer gekümmert, lediglich der Drahtzieher sei geflohen. Wobei der Drahtzieher wohl als Dokumentfälscher bekannt sei und ein Tipp an die Asphonshor habe die auf den Drahtziehe angesetzt. Ich weiß nicht, ob es mich beruhigen soll, zu wissen, dass die Asphonshor Arbeit für den Untergrund erledigt. Aber gut, noch ein Knoten im Gehirn.

    Offenkundig kannte sich Rashid in Fälscherkreisen aus, denn er präsentierte bald den Namen des Verdächtigen. Ich hingegen erhielt erst mal einen Anruf von Insiron Jehendral, der mich bat, eine Ansprache an das Volk von Rokanghet zu richten. Mittlerweile war überall eifriges Kofferpacken oder kopfloses Suchen nach einem abdockendem Raumschiff ausgebrochen. Offenkundig zählen Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht gerade zur Stärke der hiesigen Bevölkerung, was mich bei statistisch 2,4 Hinrichtungen pro Monat nicht wundert. Das lädt zum Desertieren geradezu ein.
    Habe ich schon erwähnt, dass die Loxoner hier sogar einen Untergrund gebildet haben? Da soll mir mal einer zeigen, in welchem konföderierten Protektorat es so was sonst noch gibt! Ich möchte keinesfalls sagen, dass ich das fehlgeschlagene Attentat auf Goral bedaure, aber wenn das für ihn kein Weckruf war, was muss dann noch passieren? Gut, vielleicht ist Rokanghet auch einfach viel zu international, als dass sich eine überzeugte Gemeinschaft aufbauen könnte. Eine Horde von Egoisten hat sich hier breit gemacht, ohne jede Ideale. Es ist einfach nur noch traurig. Aber wenigstens lieben diese Egoisten mich und was lag da für die Führung näher, als einen Hilferuf an mich zu schicken. Und natürlich war ich sofort bereit, mich an diese Front zu stürzen. Man stelle sich vor, ein Weichling wie Goral würde sich in einer solchen Stunde an die Leute richten! Den nimmt doch keiner ernst! Schon allein deswegen musste ich handeln.
    Ich will nicht mit Details langweilen – meine Sendung ist ja im Netzwerk gespeichert – aber sie war glorreich, geradezu heldenhaft.

    In der Zwischenzeit hatten die anderen herausgefunden, dass der Drahtzieher von den Asphonshor festgenommen worden war und in einer Zelle auf einem Kreuzer versauerte. Gut gelaunt machten wir also einen Ausflug dorthin und ihn nach einem kurzen, aber effektiven Verhör mitgenommen. Blu machte ihm seine Wahl recht deutlich: Entweder Exekution oder die Chance auf eine Auslieferung ins Imperium, mit lebenslänglicher Aussicht auf den Mars vom Gefängnismond Phobos aus. Der Hinweis war sehr großzügig von Blu, weil der Gefangene dadurch schnell kooperierte. Für Gorals Hinrichtungsstatistik ist es jedoch ausgesprochen tragisch.

    Text: Daniel
    Dauer: 3h
    EP: Goodies vom SL

    #5572
    Renegat
    Teilnehmer

    SESSION 4: Sorals Vidiary, Eintrag X84

    Während ich das hier schreibe, hänge ich kopfüber in meinem Aufnahmestudio, weil die Gravitation ausgefallen ist. Zum Glück habe ich mich bereits schon gestern während dieser Gildenfeier zur Begrüßung des imperialen Handelskonsuls im „Heliostempel“ übergeben. Der „Heliostempel“ ist eine ekrainische Neueröffnung auf Deck 12 im Stationsring und mit echten Zierpflanzen ausgestattet. Nachdem Blu davon gekostet hat, wollte ich dem nicht nachstehen, musste aber erfahren, dass diese Pflanze angeblich für Terraner giftig sei. Den ganzen Abend traute ich meinem Magen nur wenig Essen zu und füllte den übrigen Platz mit einem lokalen, nicht-synthetischen Alkohol namens Uzo.
    Jetzt stellt sich also heraus, dass meine gestrigen Magenentleerungen ein echter Vorteil war. Ich komme also darum herum, dem Studiotechniker die einzelnen Gänge unseres ekrainischen Menüs zu erklären. Der ist zwar nur ein Kriegsgefangener, aber gerade denen sollte man mit einer gewissen Autorität gegenüber treten. Das ließe sich schwer umsetzen, wenn eine Mischung aus Tzatziki und Gyros das wunderbare Karmesinrot meines Arbeitsanzugs 27 besudeln würde.
    Die Feier gestern war wegen ihrer Gespräche über Meinungsfreiheit, Sicherheit, Religion, Fanatismus, Diktatur und Folter wenigstens ein heiterer Abschluss eines sonst sehr müßigen Tages.

    Nachdem wir den Drahtzieher abgeholt hatten, blieb sogar noch Zeit für zwei Therapiesitzungen, ehe wir uns auf Wunsch Julies zum offiziellen Empfang des imperialen Handelskonsuls in Hangar 1 einfinden sollen. Nach einem para-depressiven Veganoiden und einem Chirurgen mit psychosomatisch induzierten, spastischen Zuckungen fühlte ich mich ausgeruht genug, um diesen Konsul zu treffen. Der Aufwand, den die Vize-Kommandantin betrieb, war völlig überzogen. Das war ein Konsul, nicht der Imperator! Und selbst den würde man eher mit faulen Tomaten begrüßen als mit einem Ordonanz-Appell. Wenigstens trug ich einen bescheidenen Anzug und keine Galauniform.
    Der Konsul war überraschend geschmackvoll gekleidet, zerstörte aber seinen guten Ersteindruck ziemlich schnell mit seinem arroganten Auftreten. Aber, Soral, was hast du denn erwartet? Kein Aufklärungsholo aus dem Bildungsministerium hätte einen Imperialen anschaulicher darstellen können. Das ist einerseits enttäuschend, andererseits beruhigend, zu wissen, dass die Verantwortlichen im Ministerium derart gewissenhafte und zutreffende Arbeit leisten.
    Jedenfalls endete diese lächerliche Scharade mit der Übergabe des Drahtziehers in imperiale Hände. So sparen wir uns die Munition und gleichzeitig verursacht der Gefangene im Imperium Kosten. Eine sehr weise Entscheidung der Apshonshor, um den Gegner zu schwächen.
    Anschließend gab es noch die oben erwähnte Willkommensfeier für den Konsul als neuen imperialen Gildenvertreter, die mir nicht wegen dem Konsul, sondern wegen dem Halb-Novat Krieger in Erinnerung bleiben wird. Der wurde nach ein paar Gläschen Uzo ausgesprochen unterhaltsam. Der Höhepunkt war sicherlich die Verwandlung von Blus Rüstung in Gold, so dass der die Nacht als Statue vor dem Heliostempel verbringen musste.

    Der nächste Tag begann mit einer Warenschwemme. Der imperiale Superfrachter hatte seine Schleusen geöffnet und flutete die Rokhanghet mit vermeintlich fortschrittlichem Ramsch, wobei mir erst mal einer erklären soll, was an diesen rosaroten Handtaschen mit diesem Tierkopfaufdruck fortschrittlich sein soll. Der Farbton findet sich nicht in der Farbpalette der konföderierten Generalkunstakademie – wie kann das dann geschmackvoll sein? Anstatt meine Sendungen zu planen verstopften Beschwerden von Stationshändlern meinen Transmissionskanal. Keiner wollte mehr das köstliche Triumphwasser Nr 602, nein, jetzt musste es Grünwein von der Venus sein! Die heimischen Preise purzelten, als sich die hiesige Bevölkerung mit dem unnötigen Tand eindeckte und Händler Vorräte anlegten, das bald schon der letzte Schnelldresser zugestapelt war. Den Anti-Patriotismus der Gemeinschaft an Bord habe ich ja schon in meinem letzten Eintrag umfassend kritisiert. Es kam also wie es kommen musste. Rokanghet war wie ein Magen eines unersättlichen Gierschlundes und leider aß dieser keine vergiftete Pflanzen und trank auch nicht zu viel Uzo; Dabei wäre ein Erbrechen von so viel imperialem Müll mehr als gesund für Körper und Seele. Durch die Überfrachtung scheint die Station jedenfalls Probleme mit der Umlaufbahn bekommen zu haben. Insiron Jehendral bat mich erneut um eine Ansprache, um die Gemüter zu beruhigen. Aber so einfach hab ich es ihm nicht gemacht. Wie kommt es, dass man einem imperialen Superfrachter einfach so die Einreise in die Konföderation genehmigt hat? Im Wirtschaftsministerium hat jemand lang und ausgiebig geschlafen! Jeder, der das erste Jahr in einem Erziehungsheim verbracht hat, musste doch rechnen können und wissen, dass dadurch die lokale Wirtschaft in ernste Turbulenzen geraten würde. Das dazu auch noch physikalische Turbulenzen hinzukamen, ist unschön, aber da habe ich Vertrauen in die Techniker an Bord. Und ja, auch die Fähigkeiten der anderen Gildenmitglieder. Ich rang also Insiron Jehendral das Zugeständnis ab, eine Nachricht an das Kriegsherrenbüro bezüglich dieser Auswüchse hier senden zu können.

    Ich glaube, mir wird schlecht.

    Text: Daniel
    Dauer: 3h
    EP: Goodies vom SL

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