[C&C] Charakter Balu "Dyson"

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  • #1697
    Balu (N074G37H)
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    — BASISDATEN —
    Name: Freeman Dyson Globe (Globe-141)
    Typ: Artifikant
    Merkmale: Schaden durch EMP; Schaden durch Wunde E x(2-1); Immunität: Mentalmanipulation, Lebensflussmanipulation, Telepathie; Stressunanfällig; Umweltunbeeinträchtigung
    Hautschutz: 0
    Reich: Syndikat
    Heimatplanet: (ehem.) Saturn, Rhea, MariteaR&D Labor 02
    Geburtsdatum: 23.05.2675

    Größe: 53cm Durchmesser , 78.000cm³ (Standardterraner 75.000cm³)
    Haarfarbe: –
    Hautfarbe: grau Augenfarbe: –

    — GESCHICHTE —
    Kindheit:
    gebaut als Teil der Kleinserie „Globe“ von Chronos Cybermotive
    Erziehung:
    vollständig durch Bildungs- und Wissenschaftsprogramme der Chronos Cybermotive-Tochter „Maritea-R&D-Labs“, fast auschließlicher Fokus auf wissenschaftliche Praxis und Verfahrensweise
    Beruf:
    Forschungsassistent & Wartungstechniker
    Werdegang:
    – Forschungsassistenz im Bereich Kybernetik, Schiffsysteme und Human Interfaces
    – 2681 erster Kontakt zum syndikatischen Wissenschaftler Homura Shinja bei „Projekt Neon“
    – 2682 „Entführung“ des Projekt-„Omega“-Test-Shuttles, Flucht und Erlangung der Staatsbürgerschaft im Syndikat
    – seither freischaffender Techniker

    — CHARAKTER —
    Grundcharakter: Wissenschaftler
    Charakterzüge: neugierig, kreativ, analytisch, kühl, realistisch,
    Umfeld:
    Hobbies: Kulturwissenschaft
    Titel: –
    Beziehungen: befreundet mit Dr. Homura Shinja

    Struktur: 184/202STP
    Gewicht: 101.121kg
    Slots: 57/65

    Energie:
    Reaktor: 180 RE
    Speicher: 155 BE
    Verbrauchsprofil:
    Maximal 146 REV (sämtliche Energie verbrauchenden Systeme simultan aktiviert)
    Kampf 127 REV (Perseus aktiviert, Techoperator deaktiviert, taktisches Auge Kampfmodus)
    Arbeit 136 REV (TechOperatoren und Scanner aktiviert)
    Normal 120 REV (TechOperatoren deaktiviert)

    Attribte:
    (Mu) Mut 5/15
    (It) Intelligenz 14+5/20 26EP
    (Wi) Wissen 20
    (Is) Instinkt 10/20
    (Si) Sinne 17
    (Em) Emotionen 5/15
    (Kr) Kraft 10
    (Kb) Körperbeherrschung 13
    (Hg) Handgeschick 16
    (Ko) Kondition 11
    (Au) Ausstrahlung 3

    Kenntnisse & Spezialgebiete & Fähigkeiten:

    Vita (Wi/Wi) 9
    Akademik (It/It) 8
    – Physik/Mathe(Software) 6
    – Chemie(Software) 6
    – Kultur/Gesellschaft (Wi/Wi) 4
    – Sprachen und Schrift (Is/Wi) 6 – Standard +0
    Technik (It/Wi) 10
    – Kybernetik (Hg/Wi) 9
    – – Implantate mod./bauen +1
    – – Artifikantenkonstruktion -8
    – Software 9 (It/Wi)
    – – Programm verbessern/entwickeln 0
    – Astrotechnik 8 (Hg/Wi)
    – – Raumschiffsysteme mod./bauen -3
    – Rüstungstechnik (Software) 6
    – Elektrotechnik(Software) 6
    – – Elektrokomponenten mod. -4
    – Mirko/Nanobotik(Software) 6
    – Mechanik/Material(Software) 6
    – Sensoren/Scanner(Software) 6
    Paranormik (Is/Em) 4
    Transportmittel (Si/Hg) 8
    – Raumfahrzeuge(Software) 6
    Handwerk/Kunst (Is/Wi) 7
    Beeinflussen/Verhalten (Au/Em) 2
    Kognition (Is/Si) 7
    Athletik (Kb/Kb) 7
    – Null-G-Bewegung(Software) 4
    – Fliegen 4
    – Ausweichen 4
    Kampf (Mu/Si) 5
    – Waffenloser Kampf: Intergrierte Impulswaffen[+2] (Software) 3

    LP = 2xKr+3xKo/Physisfaktor = 44
    Init = Mu+Is+Si = 11
    Gewichtsbehinderung = (Gewicht – STP/2)/10 = 0

    Prestige: 190
    Guthaben: 48.620 Sterntex
    Schulden: 150.000 Sterntex

    EP: verfügbar 14, verbraucht 225
    2.500.000 Budget + 200.000 Schulden + 360.000 aus EP

    Komponenten:
    -210080 Skelett R7BoneComp-Hartplast 22.6kg
    – 90000 Zentral-Chip Admin Max 65 Slots 0.1kg
    – 25000 Basis-KI AI-II 1.6kg -1Slot
    – 97000 NNPS Neuro Matrix -1STP -10 Slots 1kg
    -577000 SDSS 8xH18-SDSS -16 STP 4.8kg -8Slots
    -130000 Volon Kristall -13STP 26kg -1Slot
    -280000 Sensoren 4xFITC-IV -32STP -40REV 12kg -4 Slots
    -255000 Servos 5xIboshi Ki -5STP -25REV 5kg -5 Slots
    -243000 Belastungsgitter 3xCGU-III -9STP -9REV 2kg -3Slots
    -286000 Motorische Regulierer 2xMSRU-III -18STP -32REV 4.8kg -2Slots
    – 8000 Interaktionsdesigns BasicUI -0STP 0.1kg -1Slot
    – 85000 Reaktor 1xESU-III(Mod) -23STP 180RE 9kg -1Slot
    – 21000 Energiespeicher 2xEZ-13 120BE -8STP 0.8kg -2Slots
    – 22600 Jet-Prop MJFS-1 -2STP -10REV 1.2kg -1 Slot
    -139400 TechOperatoren -26STP +5.12kg -6REV -7Slots +12techVersorgung
    – 10000 Kommunikator -1STP +0.2kg -1REV -1Slot
    – 30000 Schallrezeptoren Si+1 -1Slot
    – 34200 Scanner R20 -3STP +1kg +10BEV -1Slots
    – 6500 2 Liter Tank, 3,2kg Behälter, -13 STP
    – 28400 Integrierter Perseus (Mod) -8STP +1.6kg 35BE -5BE/Schuss, HH +0, Nachladen 14, 50m Reichweite, 20Resistenz
    – 20000 taktisches Auge Not-1C3 +0.5kg -1STP -1REV -1Slot (Hh+2, EZ +10m)
    – 40000 Neurolink Interface -1 Slot -1 STP 0.2kg
    -265000 Spezialgebiet Software
    – 100 Implant Multicard -1Slot
    – 39000 Schleppstrahlprojektor STP-1 +0.5kg -1STP -3BEV
    – 56000 Firewall Fenetra Wall XL +22FW-Erschwernis
    – 13000 Ableitendes Hautnetz La Peau d’Or +2kg (Wunde E Fakt -1.0)

    – 25.000 Verwaltungskosten

    SDSS 2x Custom Build -2 STP 1.6kg -2 Slot, +4Wi (TL 30)
    Belastungsgitter 2xKeeper -2STP 0.4kg -2 Slots +2 REV, 2Ko (TL 14)
    Permanentnaninten Custom Build +4 Int +4 Stress -7 Verabreichung

    Übriges Inventar:
    SDSS 1x Dataseq III
    Belastungsgitter 2xKeeper
    SNIF-2

    #1698
    Balu (N074G37H)
    Teilnehmer

    Die „Globe“-Serie

    „Effizienz und Ästhetik“ lautete das Motto des internen Design-Contest, dessen Produkt die Mitarbeiter von Chronos und deren Tochterfirmen in Zukunft in ihren Labors unterstützen sollte.

    Das Design mit dem Name „Globe“ ging aus diesem schließlich als Sieger hervor, vor allem auf Grund des überaus raumeffizienten und dabei doch ansprechenden kugelförmigen Grunddesigns.

    Die 250 produzierten Artifikanten der „Globe“ Serie haben einen Durchmesser von exakt 53cm. Ein leistungsstarker Reaktor versorgt großzügig angelegte Speicherbänke, leistunsfähige Sensorn, ein hoch entwickeltes togalounisches Gehirn und die Jet-Triebwerke des auf Volonkristallen gelagerten Chassis ebenso, wie die ausgeklügelten Manipulatoren und Techoperatoren, die an den Enden 5 hochflexibler 90cm langer „Tentakel“ sitzen, welche -normalerweise im inneren des Körpers verborgen – bei Bedarf durch mehrere verschließbare Öffnungen in der DuraPlast-Schale ausgefahren werden können. Eines dieser Gliedmaßen ist dezidiert für sensorische Aufgaben konzipiert und kombiniert einen hochauflösenden Molekularscanner mit optischen Breitspektrumsensoren und einer Kamera.

    Um Laborausrüstung und Artifikant gleichermaßen vor Entladungen und statischer Elektrizität zu schützen, sind „Globe“-Systeme mit feinmaschigen Ableitnetzen überzogen und besitzen ein dünnes, bis zu 4 Meter langes Kabel, das abgespult werden kann, um das System zu erden.
    Durch ihre auf Volonkristallen basierende Schwebetechnik sind sie auch in elektrisch sensiblen Bereichen und Feldeinsätzen auf Planeten, oder in der Schwerelosigkeit, ohne weiteres einsetzbar

    „Globe“-Artifikanten werden ab Werk ohne Kommunikator geliefert um möglichst wenig Angriffsfläche für Hackversuche zu bieten. Ein Neurolink-Interface dient daher als Schnittstelle zwischen dem Artifikanten und der digitalen Außenwelt.
    Um die möglicherweise sensiblen Daten in den Speicherbänken eines „Globe“ zusätzlich zu schützen, wird das System ab Werk mit einer hochwertigen Firewall ausgestattet. Die Basisprogrammierung umfasst eine erhebliche Bandbreite naturwissenschaftlich-technischer Softwarepakete, das togalounische Gehirn wird je nach Einsatzzweck speziell trainiert.

    Das User Interface eines „Globe“ ist bewusst spartanisch gehalten um sich in das „wissenschaftlich objektive“ Klima eines Tech-Labors optimal einzupassen.
    Die meisten „Globe“-Artifikanten sind daher nüchterne, realistisch denkende Persönlichkeiten, die einen hohen Anspruch an sich selbst, ihre Arbeit und ihre Kollegen stellen.

    Da die „Globe“-Serie hinsichtlich ihrer Abmessungen in jeden für Menschen konzipierten Wartungsschacht passt und somit ihre Talente auch als Wartungsroboter entfalten kann, werden sie oft in sekundärrollen zur Wartung der wissenschaftlichen Ausrüstung oder experimenteller Systeme genutzt. Während sie die letztere Rolle ganz selbstverständlich zum Sammeln weiterer Daten nutzen würden, ist ihr Potential für bloße Wartungsarbeiten zweifelsohne verschenkt – und sie werden nicht davon absehen, dies zur Kenntnis zu geben.

    #1699
    Balu (N074G37H)
    Teilnehmer

    Projekt „Neon“

    _______________________________________________
    Internes Memo 1
    ———————-
    Von: Dr. Miguel Tuccio, Abteilungsleiter Kybernetische Forschung
    An: Dr. Marike Jannen
    ———————-

    Av Imperator,

    Dr. Jannen, die Militärdoktrin des Imperiums sollte ihnen bekannt sein. Wenn ich der Geschäftsleitung Pläne für einen bewaffneten Artifikanten vorlege, wie sie ihn sich zusammenfantasieren, wird man mich auslachen und zum Hausmeister degradieren.
    Schlagen sie sich diese Sache endlich aus dem Kopf und belästigen sie mich nicht weiter damit.

    gez. Miguel

    _______________________________________________
    Internes Memo 2
    ———————-
    Von: Dr.Dr. Pjotr Schröder, stellv. Geschäftsführer
    An: Dr. Marike Jannen
    ———————-

    Av Imperator Dr. Jannen,

    Es war die richtige Entscheidung, sich direkt an mich zu wenden. Dr. Tuccio fehlt ganz offensichtlich der Horizont, Ihr Konzept vollständig nachvollziehen zu können.

    Stellen Sie sich ein Team zusammen, ich kümmere mich ums Geld.

    gez. P. Schröder

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    Internes Memo 3
    ———————-
    Von: Dr.Dr. Pjotr Schröder, stellv. Geschäftsführer
    An: Dr. Marike Jannen
    ———————-

    Av Imperator,

    Sind Sie sicher, dass Sie diesen Dr. Homura und Dr. Jane brauchen. Ich würde es bevorzugen das Syndikat nicht in diese Forschungen zu involvieren.

    gez. P. Schröder

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    Internes Memo 4
    ———————-
    Von: Dr.Dr. Pjotr Schröder, stellv. Geschäftsführer
    An: Dr. Mareike Jannen
    ———————-

    Av Imperator,

    Homura und Jane haben heute die Verträge unterschrieben.
    Projekt „Neon“ hat grünes Licht. Ich hoffe die Sache zahlt sich aus, einen Flopp können wir beide uns nicht leisten.

    gez. P. Schröder
    _______________________________________________

    Die Geburtsstunde des „Neon“ getauften Konzepts wurde durch die Antwort auf eine einfache Frage eingeläutet: Wie beseitigt man die Nachteile, die das Imperium davon abhielten, Artifikanten im Krieg einzusetzen?
    Dabei waren zwei Kriterien besonders wichtig: Die Plattformen wurden als zu anfällig für Hacking-Attacken betrachtet, sollten jedoch auch nicht autonom sein – sodass ein geschlossenes System ohne Verbindung zum Oberkommando ausgeschlossen schien.

    Dr. Jannens Antwort auf die Frage war im Grunde einfach: Eine artifikantische „Rüstung“, die von einem menschlichen Piloten direkt gesteuert werden konnte, ausgerüstet mit einem separaten Kommunikationssystem, dass dem Piloten die Verbindung mit dem Kommando erlaubte, ohne einen Hacker zugriff auf die Software der „Rüstung“ zu geben. Diese widerum sollte eine eigene, eingeschränkte KI erhalten, die den Piloten bei der Steuerung seines Exoskeletts unterstützen und ihm die unwichtigen Entscheidungen abnehmen konnte – und zudem die Gehirnfunktion des Piloten überwachte, um paranormischer Manipulation vorzubeugen.
    Zudem sollte ein Neurolink als Schnittstelle zwischen Artifikant und Pilot das gesammte System zu einer Einheit verschmelzen, deren Leistungsfähigkeit sowohl die menschlicher als auch normaler artifikantischer Truppen in den Schatten stellen würde.

    Obwohl – vielleicht auch gerade weil – das Projekt vielversprechende Fortschritte machte, wurde es nur sieben Monate nach Beginn von MariTEC eingestellt. Den Mitarbeitern wurden keine Gründe genannt, doch die Tatsache, dass Dr. Jannen die Firma kurze Zeit später verließ und die Prototypen „vernichtet“ wurden, sorgte für das Gerücht das Militär habe sich die Sache unter den Nagel gerissen.

    #1700
    Balu (N074G37H)
    Teilnehmer

    Ein Hauch von Freiheit

    Mit einem sanften Zischen öffnete sich das rudimentäre Exoskellett. Globe-141 zeichnete gewissenhaft sämtliche Daten auf, seinen Sensor-Tentakel auf das Geschehen gerichtet. „Ende Test 25“ kommentierte Shinja seinen Ausstieg und rieb sich den Nacken, dort wo der Neurolink saß, den sie als Schnittstelle verwendeten. „Der Pilot bekommt immernoch viel zu viele Rohdaten.“ erklärte Shinja und schüttelte den Kopf. Globe hatte die Geste bei ihm schon des öfteren bemerkt, er tat dies, um seinen Kopf von zuvielen Eindrücken oder Gedanken zu befreien. „Es wäre von Vorteil, wenn sie mir genauer sagen könnten, welche Art von Daten reduziert werden kann.“ entgegnete Globe, nicht nur, weil es seine eigene Auffassung war, sondern auch weil er die Worte oft genug von den Softwareingeneuren gehört hatte. Shinja nickte abwesend., dann entstand eine Pause.
    „Sie sind es gewohnt im Horizon zu leben. Ist davon auszugehen, dass sie eine höhere Toleranz gegen die Datenflut haben?“ fragte 141 schließlich, die Kamera noch immer auf Shinja gerichtet.
    Es war drei Uhr morgens, alle außer ihnen hatten das Labor längst verlassen. Der Globe war beeindruckt von der Zielstrebigkeit des jungen Wissenschaftlers, der als Experte für Neuralschnittstellen ins Team gekommen war. Über HORIZON wusste Globe-141 nur, was Shinja ihm in ihren Nachtschichten berichtet hatte. Und bisher hatte er den Eindruck gehabt, dass das Neon-Interface und HORIZON nicht allzu verschieden waren.
    Erneut schüttelte Shinja den Kopf, diesmal verneinend. „HORIZON und unsere Höllenmaschine haben genauso viel gemeinsam wie Ochse und Stier.“ Globe überlegte. „Die genetische Struktur ist die selbe, aber das eine ist gefügiger?“ fragte er. „Exakt. HORIZON ist ein sanftes Streicheln, allein der Sensor-Output von Einheit-1 ist ein Tritt in die Eier.“ Globe schwebte zu dem in eine Halterung eingespannten Exoskelett, dem bisher alle Sehnen und Muskeln fehlten. Die Kybernetik-Experten waren gerade dabei, Flexoren und Servomotoren einer generalüberholung zu unterziehen.
    Das intelligente Kabel mit dem Neurolink des Globe schlängelte sich aus einer kleinen Öffnung im Äquator des Artifikanten hervor und klingte sich in das System ein.

    Sofort sah Globe die Welt um sich herum mit anderen „Augen“. Seine eigenen hochentwickelten Sensoren erschienen ihm plötzlich mangelhaft.
    „Im Rahmen der von Dr. Jannen vorgegebenen Parameter, sehe ich keine Möglichkeit weitere Programmfilter zu initiieren.“ erklärte Globe-141 und gab sich mehr Zeit als nötig, die Welt durch die überscharfen Augen von Einheit-1 zu betrachten.
    Shinya war in drei Spektren gleichzeitig absolut scharf zu sehen. 141 konnte sie durchschalten oder alle gleichzeiti anzeigen lassen, wobei der Filter in diesem Fall alles außerhalb des normalen optischen Bereichs gesondert kennzeichnete.
    „300% sind eindeutig zuviel. Aber wenn wir die Sekundärzonen rastern, könnten wir die Last erheblich reduzieren, ohne die Rundumsicht zu stark einzuschränken. Das Feintuning der Manöver soll ohnehin die KI tragen. Außerdem kann sie Aufmerksamkeitsbereiche auslesen und gesondert anzeigen.“ Shinja dachte laut vor sich hin, er tat dies des öfteren und hatte 141 gebeten, ihn dabei stets aufzunehmen und daraus Audiologs für spätere Referenzen zu erstellen. im Augenblick schien Shinja aus zwei Richtungen zu sprechen, da die Sensoren von Einheit-1 und 141 nicht synchronisert waren.
    141 löste die Verbindung und schwebte durch den Raum an eine der Arbeitsstationen. „Wenn Dr. Jannen und mehr Autonomie für die KI gestatten würde, wäre das Problem einfach zu lösen.“ entgegnete Globe-141.
    In den Augen des Artifikanten war die Arbeit am „Neon“-System zwar wissenschaftlich interessant und erfüllender, als einfache Implantatentwicklung, dennoch war es ausgesprochen ineffizient.
    Die von Dr. Jannen erträumte Maschine mit einer autonomen KI auszustatten wäre deutlich effizienter gewesen – und billiger.
    „Tja, wir müssen das beste aus dem machen, was wir bekommen.“ Shinja grinste und trat neben den Globe. „Aber genug für heute.“ er atemte durch und ließ sich erschöpft auf einen Stuhl sinken. „Heute noch was vor?“ Globe-141 klinkte sich in das Computersystem ein und speicherte das Audiolog, sowie einige vorläufige spezifikationen für das von Shinja vorgeschlagene Raster. „Mr. Jakobi äußerte einen Gedanken, der die Transferleistung der Belastungsgitter um 6.2% steigern könnte. Ich denke die Änderungen sollten nicht mehr als drei Stunden in Anspruch nehmen.“
    Shinja lachte. „141. Du brauchst dringend ein Hobby.“ spottete er, wie schon des öfteren in den vergangenen Wochen. „Mein Hobby, Mr. Homura, ist es ihnen bei ihren Vorschriftswidrigen nächtlichen Experimenten zu helfen.“ gab der Roboter neutral zurück. Erneut lachte der Wissenschaftler. „Und langsam entwickelst du sogar Humor. Aber ernsthaft. Es gibt soviel mehr da draußen, als Kybernetik und Software. Planeten wie du sie dir in deinen wildesten Träumen nich vorstellen kannst, außeridrische Völker mit den seltsamsten Bräuchen und Traditionen…“ Globe klinkte sich aus dem Computersystem aus. Er selbst hatte keinen GCL oder ICL-Zugang. In gewisser Weise war er wie der anzug, den sie bauten, in sich geschlossen, abgetrennt von der größeren Welt.
    „Erzählen Sie mir von diesen Gebräuchen Mr. Homura.“ antwortete er aus einem Impuls heraus. „Vielleicht sind sie ein gutes Hobby.“

    #1701
    Balu (N074G37H)
    Teilnehmer

    Omega

    Wütendes Schimpfen hallte durch den Gang. Globe-141 unterschied drei Stimmen. Die lauteste gehörte zur Teamleiterin der Projektgruppe „Omega“, Dr.Dr. Samantha van Halden, die sich mit der Erforschung des Beta-Pictor-Antriebs, vor allem aber mit dessen negativer Auswirkung auf lebende Materie beschäftigte. Von der biologischen Seite des ganzen verstand 141 wenig, die technische Hingegen überblickte er fast vollständig – immerhin hatte er am Bau des „Omega“-Shuttles mitgearbeitet.

    Die zweite Stimme identifizierte er als Dr. Leonhardt von Seeleben, sie war ruhiger, beschwichtigend. Die dritte Stimme hätte seine eigene sein können, sie gehörte zu Globe-125, der „Omega“ zugeteilt war.
    „Ich werde Ihrer Ungeduld wegen nicht meine Funktion oder die Daten dieses Experiments aufs Spiel setzen.“ 125 machte den Eindruck, dieses Statement schon mehrmals abgegeben zu haben. „Wir haben keine Zeit zu verlieren!“ bekräftigte van Halden ihre eigene Argumentation mit kaum verhohlener Wut in der Stimme. „Schon garnicht drei volle Tage!“
    Leonhardt lächelte verzweifelt. „125, es muss doch nicht gleich eine vollständige Wartung sein. Lass uns einfach deine Speicherbänke testen, das schaffen wir in ein paar Stund…“ „Kommt nicht in Frage. Meine Funktion ist kompromitiert. Ich werde nicht…“ „Zum Mars mit dir, elende störrische Blechkiste!“
    Samantha stürmte davon, an 141 vorbei, der eben um die Ecke bog. Sie würdigte ihn keines Blickes. „Samantha!“ Leonhardt war stehen geblieben, 125 schwebte unbeirrt weiter in Richtung Wartungsräume.
    „Kann ich helfen?“ wandte sich 141 an den verloren drein blickenden Wissenschaftler. „Ich glaube nicht.“ seufzte der. „Wir sind bereit die neue Abschirmung zu testen, aber 125 weigert sich zu fliegen, bis er komplett gewartet wurde, weil er irgendeinen kleinen Fehler im Speicher gefunden hat.“ erläuterte der Mitfünfziger müde. Globe-141 war froh, dass er kein Gesicht hatte, sein strahlendes Grinsen hätte ihn verraten. „Wenn es nur darum geht das Shuttle zu fliegen und die Daten zu sammeln, könnte ich seine Stelle einnehmen.“ schlug er mit neutralem Ton vor. „Dr. Soni hat zwei Wochen Pause angeordnet und es ist nicht genug zu tun, um mich mehr als zwei Tage sinnvoll zu beschäftigen.“

    Leonhardt blickte auf. „Du? Das würdest du?“ Seine Augen leucheten plötzlich. „141, das ist eine ausgezeichnete Idee. Ich rede mit Samantha.“ Damit eilte er davon. 141 folgte ihm mit seinen Sensoren, bis er außer Reichweite war. Ein eigenes Schiff mit Beta-Pictor-Antrieb, das ihn nicht nur aus dem Labor, nicht nur von Saturnia herunter bringen würde, sondern ihm völlige Bewegungsfreiheit gewährte. Das Imperium, soviel hatte er in Erfahrung gebracht – kontrollierte die Gratpunkte. Doch ein Beta-Pictor-Antrieb war auf diese nicht angewiesen und seines Wissens nach konnte das Imperium ihn nichtmal verfolgen.

    Drei Stunden später waren die nötigen Formalitäten geklärt. 141 schwebte durch das ansonsten leere Shuttle. Das Emap-Starkfeld summte gleichförmig vor sich hinten. Auf der Steuerkonsole blinkten die Kontrolleuchte für die Lebenserhaltung rot.
    Das Shuttle glitt aus dem Hangar in einen langen, spärlich erleuchteten Tunnel, der durch Rheas Eis an die Oberfläche führte. Das EMAP-Feld griff automatisch in die Führungsschienen aus Durastahl und zog das Schiff an die Oberfläche. Ein kurzer Ruck ging durch das Schiff, dass in die dünne Athmosphäre geschleudert wurde, ehe die Triebwerke den Flug abfingen und das Shuttle in einer sanften Aufwärtskurve dem All zustrebte.

    Eine weitere Stunde später erreichte das Omega-Shuttle endlich Sprungbereitschaft. „Shuttle an Basisstation, alle Systeme grün, wir sind bereit für den Absprung.“ meldete der Artifikant über einen verschlüsselten Kanal. Die Erwiderung folgte aus dem Mund von Seelebens. „Basisstation an Omega, sie haben Sprungfreigabe. Wir sehen uns in einer Woche.“

    Globe-141 erwiderte nichts. Er sah zu, wie das Energielevel im Beta-Pictor-Antriebsystem stieg und schließlich das Schiff aus dem normalen Raum riss.
    Stille. 141 wartete ab, ohne zu wissen woraus, dann streckte er seine gestigen Fühler nach der Astrogationssoftware aus und musste feststellen, dass sie kaum aussagekräftige Daten enthielt.

    Zwei Tage lang wartete der Artifikant ab, ehe er die Schiffstransmitter deaktivierte und vom vorgebenen Kurs abwich und in kleinen, halbblinden Sprüngen mit kalulierbarem Risiko seinen Weg in Richtung Syndikatsraum ertastete.

    Eine zufällige Begegnung mit einem havarierten Frachter stellte sich für beide Seiten als Glücksfall heraus. Die Crew, deren Schiff durch einen Asteroiden sowohl Feldantrieb als auch Langstreckenkommunikation verloren hatte, war gerne bereit aktuelle Astrogationskarten gegen einen Notruf zu tauschen…

    #1707
    Balu (N074G37H)
    Teilnehmer

    Second Life

    Ruhig breiteten sich die ausgedehtnen Kalklandschaften Alrakis unter dem Rumpf des in die Athmosphäre sinkenden Shuttles aus. 141 folgte den Anweisungen seines Lotsen so präzise wie die kräftigen Windböen, die das Schiff immer wieder ergriffen es zu ließen.
    Der Raumhafen lag eingefasst zwischen automatisierten Farmen im Zentrum einer Siedlungszone, die kaum mehr als 250.000 Seelen beherbergen konnte.
    „Landefreigabe für Plattform 12-beta. Anflugvektor beibehalten.“ tönte die blecherne Stimme des Lotsen. 141 konnte nicht ausmachen, ob es sich um einen Artifikanten oder einen Kolonisten hinter einem billigen Mirkofon handelte. Er bestätigte die Anweisung und bremste das Shuttle mit sanftem Umkehrschub, ehe es über der Plattform zur Ruhe kam. Die EMAP-Generatoren nahmen summend ihre Arbeit auf. 141 schaltete die Triebwerke ab und senkte das Schiff vorsichtig auf den Landeplatz.

    „Bitte beachten sie, dass für Standzeiten über 24 Stunden Parkgebührten in Höhe von 5000 Sterntex pro Stunde veranschlagt werden. Diese werden dem Schiffseigner automatisch in Rechnung gestellt. Bitte buchen sie eine der Landebuchten, um die Standgebühren zu reduzieren.“

    24 Stunden. Je nachdem wie schnell die Rechnung gestellt wurde, würde er mindestens anderthalb Tage haben, eh die Firma über den Standort des Shuttles bescheid wusste. Genug Zeit um sich aus dem Staub zu machen.
    Fast aus der Luftschleuse heraus, machte der Artifikant nocheinmal kehrt und initiierte die Messgeräte, die die Omega-Strahlen-Belastung messen sollten. Vier Probenbehälter, zwei abgeschirmt, zwei nicht. Jeweils zwei gefüllt mit verschiedenen ein- und mehrzelligen Algen, die anderen mit Humanzellenkonglomeraten. Insgesamt war 141 mit ihnen fast anderthalb Wochen länger bei Überlichtgeschwindigkeit gereist, als für das Experiment geplant und immer wieder ein- und ausgetreten, doch er war der Meinung, dass die Daten gerade deshalb aussagekräftig sein würden. Das Omega-Team musste lediglich die Auswertungsparameter anpassen.

    Zufrieden mit sich selbst, ließ der Globe schließlich das Schiff hinter sich – sicher stellend, dass die Luftschleuse gut verschlossen war.
    Die Landeplattform verlassend, sah sich 141 zunächst nach einem öffentlichen GCL-Terminal um und fand ein solches nahe dem Wartebereich für Passagiere, der so belebt war wie ein Holotheater bei Stromausfall.
    Das intelligente Kabel klinkte sich in die Schnittstelle ein und eröffnete Globe-141 zum ersten Mal den Zugang zur vollen Bandbreite der digitalen Welt. Zunächst war er sich dieser Tatsache jedoch weder wirklich bewusst, noch beabsichtigte er, sie zu nutzen.
    Homura Shinja schien kein besonders seltener Name zu sein. Nichteinmal, wenn man das Suchraster auf den Syndikatsraum und Männer mit Doktor-Titel einschränkte. Die letzten knapp neuntausend Einträge überprüfte 141 einzeln und identifizierte den korrekten Adressanten anhand des im Datensatz enthaltenen Bildes.
    Praktisch sofort wurde die Gesprächsanfrage aktzeptiert. „Dr. Homura am Apara…“ Der Mann stockte, mittlerweile musste ihn das Bild, welches die Holokamera des Terminals aufzeichnete, erreicht haben.
    „141?!“ japste er merklich überrascht. „Korrekt.“ entgegnete der Artifikant.
    „Was…? Wo bist du? Ich dachte ihr bekommt im Labor keinen GCL-Zugang?“ Die Überraschung wich selbst durchs Holocom gut erkennbarer Freude. „Ich bin nicht im Labor.“ gab 141 zurück. „Ich habe mich entschieden MariTEC zu verlassen.“ Shinja grinste schief. „Und wie haben sie es aufgenommen?“
    „Sie wissen es nicht.“ Der Globe legte sich seine Worte zurecht. „Man könnte sagen ich habe mich selbst gestohlen.“ Rechtlich natürlich nicht. Er war keine juristische Person nach Imperialem Recht, und nach syndikatischem Recht hatte ein Artifikant mit togalouschen Gehirn anspruch auf Bürgerrechte und damit Selbstbestimmung, wenigstens hatte ihm Shinja das gesagt.
    Der grinste noch breiter. „Ich verstehe, du bist abgehauen. Gute Entscheidung.“ Er schien kurz nachzudenken. „Frag dich zum nächsten Verwaltungsposten durch. Verlange Asyl nach Flüchtlingsartikel 3. Ich kümmere mich um ein bisschen Startkapital.“
    141 zögerte. „Gibt es Probleme?“ fragte Dr. Homura, eine Spur von Sorge in seiner Stimme. „Nein.“ entgegnete der Artifikant. „Es ist alles in Ordnung. Danke Shinja.“ Shinja grinste. „Gar kein Dr. Homura mehr?“ „Förmlichkeit gilt unter Kollegen, nicht unter Freunden.“ zitierte Globe Shinja. Der lachte. „Aye. Willkommen in der Welt, 141.“

    Das Einbürgerungsverfahren ließ sich erstaunlich leicht abwickeln. Der Beamte fragte den Artifikanten über die Gründe seiner Flucht, seine Herkunft und einige Details zu seiner Vergangenheit. Auch nach genaueren Informationen über seine Arbeit bei MariTEC wurde der Globe befragt, verweigterte jedoch kategorisch jede Aussage darüber.
    Am längsten hielt sich 141 mit der Wahl seines neuen Namens auf: Zwar war er seine Seriennummer gewöhnt, doch Shinja hatte ihn darüber aufgeklärt, das Namen in fast allen Kulturen mehr waren, als Individualbezeichnungen und die Namensgebung war bei den meisten Terranern und anderen Spezies mit großer Sorgfalt verbunden.
    Schließlich fand 141 in den tiefen seiner Speicher einen Namen, mit dem er sich identifizieren konnte. Freeman Dyson und da es Konvention war, einen „Familiennamen“ zu tragen, der einen mit Eltern und Geschwistern verband, kombinierte er den gefundenen Namen mit dem seiner Bauserie.

    Der neue Syndikatsbürger Freeman Dyson Globe verließ einige Stunden später das Administrationsgebäude – mit gerade noch genug Zeit, sich vor Geschäftsschluss bei der örtlichen Bank-Filiale ein Konto einzurichten.

    Shinja hielt Wort. Binnen einer adrakischen Umdrehung organisierte er für Dyson einen kleinen Kredit, der es diesem ermöglichte, sich angemessen auszustatten. Als Bürger des Syndikats stand ihm das Recht zu, Waffen zu tragen und die Erweiterung seiner Selbstverteidigungskapazitäten erschien ihm eine gute Investition, ebenso gut wie ein neuer Satz Werkzeuge und eine Gewerbeanmeldung – denn es schien naheliegend, sich zunächst als Techniker zu verdingen, zumal sich Dyson darauf einstellte, durch die Galaxie zu reisen.

    Vor Ablauf des zweiten Standardtages verließ Dyson die Kolonie unbehelligt an Bord einer Fähre mit Kurs auf Aldebaran…

    #1714
    Balu (N074G37H)
    Teilnehmer

    Perspective

    Dyson reiste Blechklasse, als Gepäck. Komfort benötigte der Artifikant nicht und die GCL-Verbindung reichte auch in den Frachtraum, sodass er sich in den digitalen Weiten umsehen konnte.
    Zunächst abonierte er eine Reihe wissenschaftlicher Magazine, vor allem solche, die er als Papierausgaben im Labor gesehen, oder über die er lobende Worte aus dem Mund seiner Kollegen gehört hatte und verbrachte einige Zeit damit, deren öffentliche Archive nach interessanten Details zu durchstöbern.
    Anschließend wendete er sich seinem „Hobby“ zu und verschaffte sich einen Überblick über die Kulturen der Menschheit und der Außerirdischen Rassen, mit denen die Terraner seit dem ersten Kontakt in Berührung gekommen waren.

    Abgesehen vom Protektorat, in dem die Maschinen die Macht übernommen hatten, schienen die Persönlichkeitsrechte von Artifikanten außerhalb des Syndikats nirgends uneingeschränkt anerkannt zu werden, doch auch untereinander hatten die organischen mitunter nur wenige Skrupel. Kaum eine Gesellschaft, die sich nicht direkt oder indirekt auf die Ausbeutung organischer und anorganischer Arbeitskräfte stützte und fast schien es, als hätten sich die verschiedenen Gesellschaften der Terraner ihre schlimmsten Eigenschaften zu Leitzielen gemacht.
    Machthunger bei den Imperialen, Furcht bei der Union, Gier in Guanku, Arroganz im Haus Taesari, Gewalttätigkeit unter den Formorag, Genussucht im Syndikat und Stolz in der Allianz.

    Natürlich definierte sich die Menschheit nicht nur durch ihre schlechten Eigenschaften, viele der Muster, die die menschlichen Reiche auszeichneten waren innovativ, effizient und von hohem intellektuellen Anspruch, auch wurde Dyson spätestens nach der Lektüre einiger antiker Standardwerke zum Thema Staatsphilosophie sehr schnell klar, dass es in der Natur der Macht selbst lag, denen zur Seite zu stehen, die sie an sich rissen und ihrem Willen unterwarfen.
    Dyson speicherte sich ein Memo, dass ihnen beizeiten erinnern würde, sich dem Thema Macht und Politik genauer zuzuwenden, schien es ihm doch wichtig, doch für den Moment übersprang er die Frage danach und erkundete die ohne weiteres zugänglichen Informationen über distinkte Sitten und Gebräuche der terranischen Zivilisationen, von denen viele auf den ersten Blick widersinnig, ja irrational erschienen. Doch eben diese Widersinnigkeiten waren es, wie er bei einer kontemplativen Pause feststellte, die sein Interesse am meisten fesselten. Sie nach und nach zu entschlüsseln wirkte ähnlich befriedigend auf ihn, wie die Fehlersuche in einem verzwickten Schaltkreis oder die Entwicklung und Umsetzung hochkomplexer Entwürfe.

    Der Gratraumantrieb jaulte auf. Dyson hatte gerade noch Zeit festzustellen, dass er noch nie zuvor einen solchen Antrieb im Einsatz erlebt hatte, auch wenn er sämtliche Prinzipien…

    Aufdringliche Warnmeldungen verschiendester Systemprogramm flackerten im Geist des Artifikanten auf. Offensichtlich fehlten exakt Pi Sekunden seines Speichers und seine Basisprogrammierung vermutete, dass es einen Angriff auf das System gegeben hatte. Erfolgreich noch dazu. Verärgert schaltete der Globe die Warnungen ab und schrieb eine Routine, die in Zukunft Warnmeldungen bei solchen Zwischenfällen abschaltete und archivierte.
    Eine Reihe von Erklärungsversuchen blitze in den künstlichen Neuronen auf, es schien am wahrscheinlichsten, dass die physischen Qualitäten des Gratraumes keine eigene „Zeit“ umfassten. Die „Dauer“ des Gratraums also nicht für die fliegenden, wohl aber für die Außenwelt verstrich. Ein Mensch mochte diese Tatsache verkennen, weil sein Gehirn den Zeitverlust rückwirkend rationalisierte oder schlicht ignorierte: Selbst für gut geschulte menschliche Gehirne waren der Erfahrung des Globes nach temporale Paradoxien prägend.
    Sein eigener Zeitmesser hatte sich wahrscheinlich nach der Rückkehr in den Normalraum ganz normal synchronisiert und erst danach hatte das System seine Warnung ausgegeben.
    Die Alternative: Das ihn jemand während eines für die Außenwelt exakt Pi Sekunden dauernden Gratsprungs exakt Pi Sekunden lang gehackt und exakt diese Zeitspanne aus seinen Speichern gelöscht hatte erschien Dyson höchst unwahrscheinlich – wenn auch nicht unmöglich. Er beschloss bei nächster Gelegenheit eine belastbare Quelle nach eigenen Erfahrungen zu fragen. Immerhin bestand auch die Möglichkeit, dass in seinen Systemen eine Fehlfunktion vorlag, oder ein Teil seiner Primärprogrammierung… Dyson unterbrach den Gedankengang, durch eines der wenigen Fenster im Frachtbereich fiel sein Blick auf die majestetische Syndicata Galactica, die Heimat des Syndikats, eine riesige Raumkonstruktion vollendeter Eleganz, eine Maschine von so organisch natürlicher Schönheit, dass man kaum glauben mochte, sie sei von Menschenhand errichtet.

    Eine plötzliche Eingebung grub sich tief in seinen kybernetischen Denkapparat, einen Sinnspruch, den er zuvor gelesen, aber nicht begriffen hatte:

    „Glaube nicht du kennst mich, bevor du nicht meiner Heimat Erde unter den Füßen gehabt.“ zitierte er aus dem Gedächtnis.
    Er wollte verstehen. Die natürlichen wie auch die künstlichen Intelligenzen die das Universum bevölkerten. Und verstehen würde er nicht, bevor er nicht wenigstens die Heimatwelten der Völker bereist hatte.

    Zwei Wochen lang ließ sich Dyson einfach treiben. Er erforschte das HORIZON und die Syndicata Galactica, traf sich hin und wieder mit Shinja und versuchte ein Gefühl, ein natürliches Verständnis für die Lebensweise seiner Mitbürger zu entwickeln – während er sie zeitgleich mit wissenschaftlicher Neugierde beobachtete und analysierte, zu dem Ergebnis kommend, dass er deutlich mehr Daten brauchte, um zu einem abschließenden Ergebnis zu kommen.

    Doch ein Staat in dem biologische und künstliche Lebensformen gleichgestellt existierten und die von einer direkten Demokratie geprägt war, erschien ihm wenigstens im Vergleich zu den anderen Sternenreichen die bestmögliche Gesellschaft zu sein.
    Natürlich nicht perfekt, eine irrende oder verblendete Mehrheit konnte immernoch Entscheidungen erwirken, die dem ganzen nicht zuträglich waren, doch er durch HORIZON begünstigte freie Informationsfluss schien diese Defizite weitgehend auszugleichen.

    Im Gegensatz dazu war das Protektorat mit seiner lächerlichen Einheitsbrei-Partei und einem despotischen „Protektor“ ein Fehlschlag und eine Schande für jede Maschine mit Verstand und Charakter. Wahrscheinlich hatten dies alle Mitglieder der AKP, denen der nötige Horizont gegeben war, mittlerweile auch begriffen, doch sie schienen so tief in ihrem Traum von einer reinen Maschinengesellschaft verstrickt, dass sie sich ihr Scheitern nicht eingestehen konnten.

    ‚Urlaub‘ nannte Shinya diese Zeit die, ohne berufliches Tun verbracht, vorwiegend der eigenen Erheiterung diente. Und nach sieben Jahren ständiger Laborarbeit stand ein solcher dem Artifikanten eindeutig zu.

    Doch zum Ende der zweiten Woche hin erregte eine Stellenanzeige seine Aufmerksamkeit: Ein kleiner Transporter stand vor seinem Aufbruch in die Exasphäre und rekrutierte Personal. Die Stelle des Mechanikers war vakant und die Bezahlung – an den durchschnittlichen Löhnen bemessen – angebracht. Dazu das Versprechen interessanter Erfahrungen in der Exasphäre.

    Zunächst schien der Kapitän des Schiffes skeptisch – er hatte keinen Artifikanten erwartet und schien selbst aus der Exasphäre zu stammen, doch nach einem kurzen Gespräch und der Begehung des Schiffes, bei welcher es sich Dyson nicht nehmen ließ, auf zahlreiche wenig offensichtliche Mängel hinzuweisen, ließ sich der Mann überzeugen.

    #1723
    Balu (N074G37H)
    Teilnehmer

    Surge

    Dyson klinkte sich aus dem Shuttle-Computer aus, nachdem er den Energiestand in den Feldspulen des Frachters ein letztes Mal überprüft hatte. Wenn sein Berechnungen stimmten – nein, kein Zweifel, sie stimmten. Doch es bestand die Gefahr, das die Naninten just im Moment der Auslösung wichtige Parameter veränderten.

    Eines nach dem anderen schalteten die SDSS-Laufwerke sich ab. Dyson ‚fühlte‘ wie er an Wissen verlor und er hasste es noch mehr, als die Blindheit, in die er sich freiwillig begab, als auch seine Sensorphalaxen sich der Reihe nach abschalteten.
    Er musste allerdings zugeben, so sehr er diese Dinge hasste, die Aussicht andernfalls von RecyX-Naniten gefressen zu werden gefiel ihm sogar noch weniger.

    Servomotoren und Flexoren waren längst deaktiviert und in Vorbereitung auf den EM-Puls gesichert. Zuletzt, Sekunden bevor die Feldspulen des Frachters ihre eigene Zerstörung initiierten, kappte Dyson die Energiezufuhr zu den Steuerdüsen, die seine Position stabilisierten.

    Entladungen zuckten über die Bauteile im Inneren der Duraplast-Schale und ließen sie gespenstisch aufleuchten. Reglos trieb die graue Kugel durch den Frachtraum des Shuttles.

    Es war der erste EMP, den Dyson je über sich hatte ergehen lassen müssen. Rückwirkend entschied das togalousche Gehirn, sich die Wirkung anders vorgestellt zu haben. In vielerlei Hinsicht erinnerte ihn der Moment der Schwärze an einen Gratsprung. doch dieses Mal folgte er der Suggestion seiner Basisprogrammierung, eine vollständige Systemprüfung durchzuführen.
    Etwas widerwillig erwachten die Steuerdüsen zum Leben und stabilisierten die Bewegung des Artifikanten, der sich mit Reaktivierung der Sensoren auch wieder seiner Umgebung bewusst wurde. Eine vorläufige Analyse ergab eine Reihe durchgebrannter Leitungen in den primären und tertiären Belastungsgittern, aber nichts ernsthaftes. Und während seine Wissensspeicher zum Leben erwachten, war er sehr froh, das keines von diesen den Dienst verweigerte.
    Ein unterdrücktes Stöhnen aus dem Cockpit legte die Vermutung nahe, dass der Ex-Legionär am Steuer von einer Entladung verletzt worden war, vermutlich hatte der EMP das Steuerpult überladen, oder der Terraner hatte kybernetische Teile.

    Dyson reetablierte die Verbindung zu den Shuttle-Sensoren und dem Kommunikationssystem, um den Frachter abzutasten. Schon Sekunden später beendet er den Prozess äußerst zufrieden. Die Elektronik des ahmandischen Schiff war nachhaltig – und wahrscheinlich endgültig – gebraten worden und mit ihr höchst wahrscheinlich auch das lästige Ungeziefer.
    Die Lebenszeichen der Menschen hingegen waren – wenn auch schwach – weitgehend stabil.

    Wie weiß-silberner Staub bedeckten die deaktivierten Naniten den Boden des ahmandischen Maschinenraums. Erneut senkte sich der Sensoriktentakel des Artifikanten bis kurz über die Masse aus Nanobots. Der Mirkoscanner tastete den Boden ab, keine einzige der kleinen Maschinen zeigte irgendwelche Anzeichen für Aktivität. Dyson fuhr einen seiner Manipulationstentakel aus und schabte einen Probenbehälter über den Boden, bis er gut einhundert Gramm der winzigen Konstrukte zusammen gesammelt hatte und scannte anschließend den gesamten Inhalt des Probenbehälters noch ein weiteres mal nach geringsten Anzeichen für Aktivität. Nichts.

    Er beschloss einen von Madame Grahams Artifikanten zu bitten, die Probe mit einer EMP-Waffe zu beschießen. Nur um sicher zu gehen. Doch für den Moment gab es wichtigeres zu tun, der Reaktor hatte einiges an Schaden genommen und musste dringend abgeschaltet werden.

    Und während er mechanisch die nötigen Handgriffe abspulte, um den Reaktor herunter zu fahren, beschäftigte sich ein anderer Teil des Globe damit, die Aufzeichnungen über das Infiltratiosprogramm auszuwerten, welches ihm von den Artifikanten Farkeen Gammas ‚geliehen‘ worden war.
    Das Programm selbst war verschlüsselt und, soweit er es beurteilen konnte, mit einem Zeitschlüssel kodiert, der dafür sorgte, dass es nach einer gewissen Zeit im Einsatz degenerierte. Dyson vermutete, dass es auf Systemzyklen beruhte, sodass die Umstellung der inneren Uhr keine gangbare Umgehung war – mal abgesehen davon, dass er damit wahrscheinlich seine Speicher und schließlich sich selbst verwirren würde.
    Dennoch hatte er genug Zeit die Arbeitsweise des Programms zu testen. Zu diesem Zweck richtete er schlicht eine neue Partition auf seinen Laufwerken ein, umgab sie mit einer separten Firewall und ließ das Infiltrationsprogramm dagegen anrennen, wobei er die Aktivitäten beider Programme genau überwachte und aufzeichnete, sodass er nicht nur die Arbeitsweise des Hacking-Tools betrachten konnte, sondern auch die Chance hatte eventuelle Schwachstellen in seiner Firewall aufzudecken.

    #1787
    Balu (N074G37H)
    Teilnehmer

    Old Tech

    „Das System zeigt eine Energiespitze in den Backbordemittern, siehst du das?“ schallte Kapitän Heinrichs Stimme durchs Interkom. Die alte Crusader war nicht im besten Zustand und der äußerst umgängliche Copilot und Miteigner Björn Nilsson hatte für einen hohen Durchlauf an Bordingeneuren gesorgt, die alle ihre Spuren im System hinterlassen hatten.
    Schlecht isolierte Überbrückungen, ein krude zusammen gelöteter Platinendschungel, umständlich modifizierte Steuerprogramme und Spacetape, reichlich Spacetape.

    Es gab dringendere Probleme als eine Energiespitze in den Schildemittern. „Ich habe die Varianz registriert.“ meldete Dyson neutral. „Sie liegt innerhalb der Toleranzgrenzen.“ Werners Stimme hatte einen besorgten Unterton. „Das System scheint anderer Meinung zu sein.“ Dyson begann eines der vielen überflüssigen Bauteile aus der Reaktorkontrolle auszubauen. „Wenn ich heraus finde, welcher meiner Vorgänger die Parameter für das Warnsystem falsch eingestellt hat, lasse ich es sie wissen.“ entgegnete der Artifikant trocken.
    Eine Pause entstand, die ausreichte um einer verkanteten Schraube mit der Laserflex zu Leibe zu rücken. „Na gut. Wie sieht der allgemeine Zustand aus?“ „Wenn irgendjemand das Schiff inspiziert, bleiben wir im Hangar.“ konstatierte der Globe kühl. „Aber ich bin zuversichtlich das in absehbarer Zeit ändern zu können. Ihre letzten Techniker scheinen nach der Direktive ‚Hauptsache wir fliegen‘ gearbeitet zu haben.“ Der Captain lachte. „Das ist auch die Hauptsache.“

    Dyson warf die Platine auf die kleine Werkbank, die im Frachtraum eingerichtet war und auf der sich inzwischen ein ganzer Haufen ähnlicher Teile angesammelt hatte. Nutzloser Ballast der im besten Falle nur funktionslos herum gammelte und im schlimmeren Falle dabei auch noch Reaktorleistung kostete.
    Immerhin hatte er genügend Ersatzteile um bei der nächsten Landung die Feldspule zu reparieren, die im Begriff war ihren Geist aufzugeben. Vor allem Nilsson würde gegen einen verlängerten Aufenthalt protestieren, doch Dyson erwartete zumindest von seinem Captain genug Vernunft, zu erkennen das sich eine Feldspule nicht mit Spacetape verarzten ließ und idealerweise repariert wurde BEVOR sie das zeitliche segnete.
    Außerdem würde ein längerer Stop ihm erlauben die bereinigte Triebwerks- und Reaktorsoftware in den Schiffscomputer zu laden um das Flickwerk zu ersetzen, dass im Augenblick die ohnehin schwache Prozessorleistung der Wilhelm Tell auffraß.
    Bei der Bereinigung hatte er peinlich genau darauf geachtet, den Programmen keine neuen Funktionen hinzuzufügen, sondern sich darauf beschränkt den Code zu vereinfachen und Redundanzen zu reduzieren, wo sie nicht zur Sicherheit der Crew beitrugen.
    Mehr als einmal während seines Aufenthaltes auf dem Schiff hatte er sich bei der Frage ertappt, ob alle Kurierschiffe in einem so erbärmlichen Zustand waren und Angesichts der Gewinnmargen der Crew lag ein Schluss auf ‚Ja‘ äußerst nahe.

    „Dyson, wir verlieren Feldleistung.“ drang erneut Werners Stimme durch den Raum. „Wahrscheinlich die alte Spule.“ kommentierte der Artifikant. Er hatte es gewusst, sie hätten sie schon beim letzten Halt reparieren müssen.
    Der Globe tauchte in einen der Wartungsschächte, der zu den Backbordspulenen führte und überwand in kürzester Zeit die wenigen Meter Entfernung. Eine Ecke hatte er zu nehmen, dann konnte er die Innenseite der Spulenkonstrution sehen. „Korrektur, eine der Zuleitungen ist durchgebrannt.“ Weiße Lichtbögen sprangen aus der zerschmorten Energieleitung und zuckten über die Rumpfverstrebungen. „Ich empfehle die sofortige Reparatur, allerdings kann ich diese nur vornehmen, wenn wir den Feldflug unterbrechen.“ Er war mit einem starken Ableitnetz überzogen, doch durch diese Leitungen floss mehr Energie als sein eigener Reaktor auf Vollast produzierte. Kein guter Gedanke.
    „Wir können den Feldflug nicht unterbrechen.“ murrte der Kapitän. „Wir haben nurnoch für dreieinhalb Stunden Treibstoff und das meiste davon…“ „Werden wir nicht brauchen, wenn sich der Schaden ausdehnt.“ Die Stimme des Artifikanten war kühl. „Wenn wir Mr. Nilsson schlafen lassen, die Schildleistung um 80% reduzieren und alle überflüssigen Systeme deaktivieren, können wir den Reaktor auf Minimallast herunter fahren und würden aus den viel zu kurzen 30 Minuten Extratreibstoff etwa 5 Stunden Zeit gewinnen. Ich versichere ihnen, ich werde nicht länger als zwei Stunden brauchen.“ Seine Rechnung hatte ein paar Haken, unter anderem die Zeit die es dauern würde, den Reaktor auf das gewünschte Energieniveau zu drücken und wieder hoch zu fahren. Moderne Systeme konnte dies unter Umständen „on the fly“ aber dieser Cursader war nicht modern, er war dreißig Jahre alt und der Reaktor zwar noch nicht instabil, aber auch nicht allzu weit davon entfernt.

    Das sanfte Zittern im Rumpf signalisierte den Austritt aus dem Feldflug. Dyson schwebte an die Reaktorkonsole begann mit der Arbeit…

    #1880
    Balu (N074G37H)
    Teilnehmer

    Every Day Work

    „141.“ „Was kann ich für sie tun, Mr. Tarin?“ Der Globe schwebte aus dem Ladealkoven und in Richtung des Ingeneurs, der über einen Skizzentisch gebeugt stand und in der Holoprojektion an einem Implantatentwurf arbeitete. „Ich brauche die Kalkulationen, die ich dir aufgetragen habe.“ Der Ingeneur sah den Artifikanten nicht an sondern starrte auf seinen Entwurf, während er sich mit einer Hand über die Bartstoppeln strich. Auf dem Gesicht des Mannes zeichnete sich eine Reihe schlafloser Nächte ab, der Termin für seine Präsentation rückte näher und bisher hatte er nur magere Fortschritte gemacht.
    141 verband sich mit dem Skizzentisch und lud die Berechnungen ins System. George Tarin ächzte. „Das kann doch nicht wahr sein. Bist du sicher?“ Der Globe bemerkte das aufkommen von Widerwillen, natürlich war er sich sicher, seine Programme machten keine unsinnigen Rechenfehler. „Positiv.“ antwortete er in neutraler Tonlage, so wie er es tausende Male zuvor getan hatte.
    „Mach sie nochmal.“ knurrte der Ingeneur.
    „Ich habe die Berechnungen doppelt überprüft“ Obwohl sie natürlich beim ersten Mal richtig gewesen waren. „und mehrere Variationen ihrer Parameter getestet. Ich spreche ihren Entwürfen die theoretische Möglichkeit nicht ab, aber das Material gibt diese Belastungsprofile nicht her.“
    Eine Faust krachteauf den Skizzentisch, das Hologramm darüber flackerte kurz. „Dann brauchen wir anderes Material.“ „Weder Maritea noch Chronos Cybermotives verfügen über Materialien, die ihren Anforderungen entsprechen.“ ergänzte der Globe, natürlich hatte er auch dies überpüft. Der Ingeneur funkelte 141 wütend an, der Globe schwebte gesichtslos vor George, ein stahlgrauer Ball aus Duraplast. „Wie auch immer.“ seufzte er und wandte sich wieder dem Skizzentisch zu. „Ich bin sowieso ruiniert.“
    141 überlegte einen Augenblick lang, er hatte nicht nur Lösungen innerhalb der vorgegebenen Parameter gesucht, sondern auch darüber hinaus und dabei eine Möglichkeit gefunden, die Pläne des Mannes umzusetzen. Vor seinem Treffen mit Shinya, dachte er, hätte er diese Lösung vermutlich angeboten, trotz des Wissens, dass ihn die organischen angestellten nicht als echten Mitarbeiter wahr nahmen und alle seine Lösungen selbstverständlich als die ihren aktzeptierten oder schlicht zurückwiesen.
    „Es gibt eine Option nicht weit außerhalb ihrer Parameter.“ konstatierte er schließlich. Georges Schultern spannten sich, das einzige äußere Zeichen seines Widerwillens gegen die Worte, die ihm das Wohlwollen Dr. Jannens retten würden. „Welche?“
    Das Holo flimmerte, die Daten wurden gespeichert, danach erst nahm 141 die nötigen Veränderungen vor. Der Ingeneur betrachtete das Ergebnis und schnaubte verächtlich, dabei war er vor allem auf sich selbst wütend, denn nachdem sie aufgezeigt war, schien die Lösung offensichtlich: Eine einfache Modifikation des Faserquerschnitts.
    „Akzeptabel.“ meinte er mehr zu sich selbst als zum Artifikanten und nahm seine Arbeit wieder auf. 141 klinkte sich aus und zog sich auf sein Ladepodest zurück, es war 06.30 Uhr, noch anderhalb Stunden, bis der Großteil des Teams ins Labor kommen würde.

    „Wir bekommen nicht mehr Platz.“ bellte Dr. Jones einem Einwurf seines Assistenten. „Wir müssen mit dem zurecht kommen, was uns zugewiesen wurde. Dr. Jannen hat klare Vorgaben gemacht. Also sehen Sie zu, dass Sie die Abschirmung passend konfigurieren.“ er scheuchte den jüngeren Mann mit einem Wink an die Arbeit und richtete die scharfen Augen hinter dem altertümlichen Zwicker auf der Hakennase auf einen anderen seiner Angestellten. „Wie weit sind die Steuerprogramme?“ Der junge Mann, der gerade zwei Wochen für das Team arbeitete und sich noch nicht an seine ruppige Art gewöhnt hatte begann stotternd seinen Bericht, mittem im Satz fuhr ihm Jones ins Wort. „Ihr Termin war gestern. Wenn sie bis morgen nicht fertig sind, gebe ich ihren Job einem Artifikanten.“ Der junge Mann zuckte zusammen. Dr. Jones Blick wanderte weiter. „141, die …“ „Sind bereits in ihre Arbeitsstation geladen.“ entgegnete der Globe ganz selbstverständlich. „Dr. Enhara hat ein vorläufiges Energieprofil für die Servomotoren abgegeben. Ich habe ihren Optimismus angemessen korrigiert, die Originaldaten sind wie üblich archiviert.“ Dr. Jones lächelte nicht, er nickte und fauchte schon den nächsten Mitarbeiter an.

    „Vorsichtig, ganz vorsichtig.“ ermahnte John Turner durchs Intercom. Der Ingeneur saß hinter der dicken Panzerglasscheibe, die den Reinraum vom Observationszimmer trennte und beobachtete die Arbeit des Artifikanten mit Argusaugen. Wörtlich, seit einem Arbeitsunfall trug er eigens von A&C für ihn entworfene Implantate Modell Argus 3.
    Natürlich gab es keinen Grund für seine Ermahnungen. 141 legte an seine Arbeit die höchsten Ansprüche an, wie alle anderen seiner Serie ebenfalls. Langsam und präzise navigierte er den Fokuskristall mit Hilfe des Schleppstrahlprojektors durch die künstliche Schwerelosigkeit. Er hatte das Projekt „Mikrogenerator“ von Anfang an mit großen Interesse betrachtet. Oberflächlich gesehen ging es um nichts weiter als um die Skalierung eines bereits existierenden Modells. Natürlich war es nicht so einfach, denn der Ausgangspunkt war bereits hochkompakt. Die Aussicht das System nocheinmal um 50% verkleinert zu haben ohne die Leistung zu beeinflussen empfand der Globe als äußerst positiv.
    Die Modelle zeigten gute Werte, die Einzeltests hatten keine Hinweise für Schwierigkeiten aufgeworfen, nun fügte der Artifikant ein Teil nach dem anderen unter den wachen Augen des Chefingeneurs an seinen Platz.
    Ein Massenprodukt würde er nicht werden, dieser Generator. Zu kompliziert, zu teuer für den imperialen Markt. Doch 141 interessierte sich relativ für den Vermarktungswert der Entwicklungen und Prototypen aus dem Labor und im Gegensatz zu vielen anderen seiner Kollegen teilte auch John Turner diese Position. Deshalb, so war der Artifikant überzeugt, hatte Turner mehr Durchbrüche erzielt als die meisten anderen Mitarbeiter des Teams gemeinsam und darum hatte Dr. Jannen ihn ausgewählt.
    Der Fokuskristall erreichte sein Lager welches ihn willens auf nahm und automatisch arretierte. Beinahe erwartete 141 das das leise Summen der Magnetfeldemitter einsetzen zu hören, doch natürlich passiert nichts.
    Nach fast vier Stunden Arbeit schließlich zog 141 die letzte der winzigen Schrauben fest. Vor ihm lag nun das fertige Produkt, ein Würfel mit knapp 8 Zentimeter Seitenlänge und abgrundeten Kanten und Ecken, kaum mehr als ein Kilogramm schwer. Behutsam stellte der Artifikant ihn auf einem kleinen Podest ab.
    Die Schwerkraft normalisierte sich und Turner betrat den Raum, um das Wunderwerk der Technik zu begutachten. „Testlauf um 17.00.“ kommentierte er gen 141 und ignorierte den Artifikanten anschließend, vollkommen versunken in „sein“ Meisterwerk. Der Globe verließ den Raum, um sich anderen Aufgaben zu widmen und er spürte Bitterkeit in sich aufkeimen. Noch konnte er nicht genau sagen, ob er wütend auf die sein sollte, die ihn seit Jahren so marginalisierten, oder ob er Shinja zürnen sollte, der ihn erst darauf aufmerksam gemacht hatte.

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