Antwort auf: [RF] Ein Spiel der Rubine – Die Händler-Protokolle

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#5572
Renegat
Teilnehmer

SESSION 4: Sorals Vidiary, Eintrag X84

Während ich das hier schreibe, hänge ich kopfüber in meinem Aufnahmestudio, weil die Gravitation ausgefallen ist. Zum Glück habe ich mich bereits schon gestern während dieser Gildenfeier zur Begrüßung des imperialen Handelskonsuls im „Heliostempel“ übergeben. Der „Heliostempel“ ist eine ekrainische Neueröffnung auf Deck 12 im Stationsring und mit echten Zierpflanzen ausgestattet. Nachdem Blu davon gekostet hat, wollte ich dem nicht nachstehen, musste aber erfahren, dass diese Pflanze angeblich für Terraner giftig sei. Den ganzen Abend traute ich meinem Magen nur wenig Essen zu und füllte den übrigen Platz mit einem lokalen, nicht-synthetischen Alkohol namens Uzo.
Jetzt stellt sich also heraus, dass meine gestrigen Magenentleerungen ein echter Vorteil war. Ich komme also darum herum, dem Studiotechniker die einzelnen Gänge unseres ekrainischen Menüs zu erklären. Der ist zwar nur ein Kriegsgefangener, aber gerade denen sollte man mit einer gewissen Autorität gegenüber treten. Das ließe sich schwer umsetzen, wenn eine Mischung aus Tzatziki und Gyros das wunderbare Karmesinrot meines Arbeitsanzugs 27 besudeln würde.
Die Feier gestern war wegen ihrer Gespräche über Meinungsfreiheit, Sicherheit, Religion, Fanatismus, Diktatur und Folter wenigstens ein heiterer Abschluss eines sonst sehr müßigen Tages.

Nachdem wir den Drahtzieher abgeholt hatten, blieb sogar noch Zeit für zwei Therapiesitzungen, ehe wir uns auf Wunsch Julies zum offiziellen Empfang des imperialen Handelskonsuls in Hangar 1 einfinden sollen. Nach einem para-depressiven Veganoiden und einem Chirurgen mit psychosomatisch induzierten, spastischen Zuckungen fühlte ich mich ausgeruht genug, um diesen Konsul zu treffen. Der Aufwand, den die Vize-Kommandantin betrieb, war völlig überzogen. Das war ein Konsul, nicht der Imperator! Und selbst den würde man eher mit faulen Tomaten begrüßen als mit einem Ordonanz-Appell. Wenigstens trug ich einen bescheidenen Anzug und keine Galauniform.
Der Konsul war überraschend geschmackvoll gekleidet, zerstörte aber seinen guten Ersteindruck ziemlich schnell mit seinem arroganten Auftreten. Aber, Soral, was hast du denn erwartet? Kein Aufklärungsholo aus dem Bildungsministerium hätte einen Imperialen anschaulicher darstellen können. Das ist einerseits enttäuschend, andererseits beruhigend, zu wissen, dass die Verantwortlichen im Ministerium derart gewissenhafte und zutreffende Arbeit leisten.
Jedenfalls endete diese lächerliche Scharade mit der Übergabe des Drahtziehers in imperiale Hände. So sparen wir uns die Munition und gleichzeitig verursacht der Gefangene im Imperium Kosten. Eine sehr weise Entscheidung der Apshonshor, um den Gegner zu schwächen.
Anschließend gab es noch die oben erwähnte Willkommensfeier für den Konsul als neuen imperialen Gildenvertreter, die mir nicht wegen dem Konsul, sondern wegen dem Halb-Novat Krieger in Erinnerung bleiben wird. Der wurde nach ein paar Gläschen Uzo ausgesprochen unterhaltsam. Der Höhepunkt war sicherlich die Verwandlung von Blus Rüstung in Gold, so dass der die Nacht als Statue vor dem Heliostempel verbringen musste.

Der nächste Tag begann mit einer Warenschwemme. Der imperiale Superfrachter hatte seine Schleusen geöffnet und flutete die Rokhanghet mit vermeintlich fortschrittlichem Ramsch, wobei mir erst mal einer erklären soll, was an diesen rosaroten Handtaschen mit diesem Tierkopfaufdruck fortschrittlich sein soll. Der Farbton findet sich nicht in der Farbpalette der konföderierten Generalkunstakademie – wie kann das dann geschmackvoll sein? Anstatt meine Sendungen zu planen verstopften Beschwerden von Stationshändlern meinen Transmissionskanal. Keiner wollte mehr das köstliche Triumphwasser Nr 602, nein, jetzt musste es Grünwein von der Venus sein! Die heimischen Preise purzelten, als sich die hiesige Bevölkerung mit dem unnötigen Tand eindeckte und Händler Vorräte anlegten, das bald schon der letzte Schnelldresser zugestapelt war. Den Anti-Patriotismus der Gemeinschaft an Bord habe ich ja schon in meinem letzten Eintrag umfassend kritisiert. Es kam also wie es kommen musste. Rokanghet war wie ein Magen eines unersättlichen Gierschlundes und leider aß dieser keine vergiftete Pflanzen und trank auch nicht zu viel Uzo; Dabei wäre ein Erbrechen von so viel imperialem Müll mehr als gesund für Körper und Seele. Durch die Überfrachtung scheint die Station jedenfalls Probleme mit der Umlaufbahn bekommen zu haben. Insiron Jehendral bat mich erneut um eine Ansprache, um die Gemüter zu beruhigen. Aber so einfach hab ich es ihm nicht gemacht. Wie kommt es, dass man einem imperialen Superfrachter einfach so die Einreise in die Konföderation genehmigt hat? Im Wirtschaftsministerium hat jemand lang und ausgiebig geschlafen! Jeder, der das erste Jahr in einem Erziehungsheim verbracht hat, musste doch rechnen können und wissen, dass dadurch die lokale Wirtschaft in ernste Turbulenzen geraten würde. Das dazu auch noch physikalische Turbulenzen hinzukamen, ist unschön, aber da habe ich Vertrauen in die Techniker an Bord. Und ja, auch die Fähigkeiten der anderen Gildenmitglieder. Ich rang also Insiron Jehendral das Zugeständnis ab, eine Nachricht an das Kriegsherrenbüro bezüglich dieser Auswüchse hier senden zu können.

Ich glaube, mir wird schlecht.

Text: Daniel
Dauer: 3h
EP: Goodies vom SL

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