Antwort auf: [RF] Ein Spiel der Rubine – Die Händler-Protokolle

Startseite Forum Gruppenforen NiL – NOVA in Leipzig [RF] Ein Spiel der Rubine – Die Händler-Protokolle Antwort auf: [RF] Ein Spiel der Rubine – Die Händler-Protokolle

#5571
Renegat
Teilnehmer

SESSION 3: Sorals Vidiary, Eintrag X83

Es hätte für mich ein entspannter Tag werden können, und bestimmt ein heldenhafter für die Konföderation. Jeder Tag ist heldenhaft für die Konföderation. Wenn das alle Kriegsherren – auch die ohne narzisstische Persönlichkeitsstörung – jeden Tag zu uns sagen, muss etwas dran sein. Irgendwo gibt es ja immer einen Sieg. Zum Beispiel auf Rokanghet. Der Anschlag auf Sirakhun Goral war aufgeklärt, der Drahtzieher, ein zwielichtige. loxonische Arzt, massentauglich an die Wand gestellt und irgendwelche Handlanger ebenfalls der Gerechtigkeit des Kirends zugeführt worden. Endlich hatten die Leute sich ausreichend über loxonische Verschwörungen das Maul zerrissen und freuten sich wieder auf unterhaltsamere Themen, zum Beispiel meine Sendung. Ich hatte die Vorkommnisse auf dem Handelsgildentreffen und das blutbespritzte Quartier, in dem wir das Entführungsopfer Julie gefunden haben, fast schon erfolgreich verdrängt. Aber wie gesagt, es hätte ein entspannter Tag würden können. Aber wenn er mit einem Albtraum beginnt, ist das nur dann kein schlechtes Zeichen, wenn er nicht mit diesem Kribbeln einher gegangen wäre; das Kribbeln sind Ausläufer der Hohen Ebene und wenn das mit einem Albtraum zusammen hängt, dann muss etwas dran sein. Ich leide weder an Hyposomnie noch bin ich Esoteriker.
Ich sah die zerstörte Rokanghet und jede Menge Explosionen und eine imperiale Flotte, die die Station fachgerecht zerlegte. Kein Wunder, dass mir diese potentielle Zukunftsvision meinen Schlaf raubte.

Als gewissenhafter Bürger der Konföderation und im Bewusstsein, dass mein bescheidenes Quartier Impulsartillerie ungefähr genauso lange standhält wie ein Fass Blauscotch in den Händen eines Grimz-Schakal, rief ich also Insiron Jehendral an. Wie ich aus seiner Patientenakte wusste hatte er meistens die dritte Schicht in der Sensorstation, weil die Ruhe der Stationsnacht seiner Hypersensibilität zupass kam.
Angeblich waren die einzigen Imperialen in der Nähe ein Superfrachter am Gratpunkt. Er schenkte meiner Sorge dennoch Gehör und ich musste ihn noch nicht ein Mal mit der Weitergabe meiner psychotherapeutischen Befunde an seinen Vorgesetzten erpressen. Ich wollte gerade wieder an die Planung meiner Sendung mit Julie – die zweifellos ein ganz bezaubernder Gast sein würde – machen, als dieser Halb-Novat mich anrief. Dr. Krieger, der Taesari. Dieser unfreiwillige Hansevertreter und Waffennarr. Und ich bin mir bis heute nicht sicher, ob er wirklich einen Doktortitel hat und um was für einen Doktor es sich dabei überhaupt handelt und ob der überhaupt mehr wert ist als ein halber Credit; aber bei einem Taesari kann man ja erst mal von etwas Ernsthaftem ausgehen.
NOTIZ an mich: Herausfinden, ob Krieger überhaupt einen Doktortitel hat oder ich irgendwie davon ausgegangen bin, nur weil er ein vertreter von Superintelligenz ist.
Die brisante Information, weswegen er gerade wohl die Preise seiner Ware erhöht hatte und mich anrief, war, dass sich hinter oder in diesem Superfrachter eine imperiale Streitmacht mit Ziel Rokanghet verbarg. Unschön. Sein Informant wiederum, dieser Minelauvaner Blu, war wohl dabei, alle Hebel in Bewegung zu setzen um eine Passage runter von der Station zu bekommen. Typisch Minelauvaner. Von einer Qamla würde ich immerhin noch erwarten, dass sie dem Angreifer ein Geschäft anböte, sagen wir mal sowas wie „taktische Informationen für mein Überleben plus Bonus“. Aber Blu war ja ein Männchen. Flucht! Soviel Anti-Patriotismus stößt mich normalerweise ab, aber da ich einen sehr, sehr eindrücklichen Traum gehabt habe und auch Dr. Krieger – und der ist ja in puncto Dummheit absolut unverdächtig – ebenfalls eine Passage wollte, rief ich erneut bei Insiron Jehendral an um uns dreien einen Flug zu sichern, im Gegenzug zu den taktsichen Informationen Blus. Der gute Jehendral war schon ziemlich im Stress aber ging darauf ein. Ich vermutete, wenn sein Morgen so weiterginge, wäre er reif für die Nervenheilanstalt und machte mir eine Notiz für seinen behandelnden Arzt Dr. Chatul. Außerdem vereinbarte ich ein Treffen mit Dr. Krieger und Blu im Ekratos Shine, um genauer zu beraten. Vor allem bei mir durfte das auf gar keinen Fall wie eine Flucht „Hals über Kopf“ aussehen. Das würde meinem Image in der Öffentlichkeit maßlos schaden und wer mich kennt, der weiß, dass ich an glorreicher Front bis zum letzten Atemzug für den Kriegsherrn kämpfen würde. Mein Traum sah aber irgendwie sehr wenig nach „glorreicherr Front“ aus, sondern eher wie „Hühnerstall mit offenen Türen, addiere Wolf“. Aber noch hatte ich die Chance, das ganze wie eine gediegene Reise nach Gonshutar aussehen zu lassen, für eine Sondersendung von der Hauptwelt. Das will ich ja schon immer mal machen.

Voller Inspiration tauchte ich im Ekratos Shine auf, wo meine Illusion zerstört wurde, und zwar in Form eines panisch packenden Barbesitzers William Bray. Offenkundig wusste die ganze Station über das drohende Unheil Bescheid. Das war mehr als ärgerlich und die Flasche Hochprozentiges, die mir Bray zum Abschied schenkte, keine Kompensation, allenfalls ein rauschender Trost. Potomanie? Wäre ein Versuch wert.
Nicht nur Krieger kam dazu, sondern auch ein sympatischer Bazar-Händler namens Rashid el Kafid. Der war neu und ersetzte diesen Historiker. Dass Blu dazustieß, war überraschend, hatte ich doch richtig vermutet, dass er zunächst auf eigene Faust seinen Abflug bei irgendeinem Cargorag-Schakal zu organisieren versuchen würde. Julie scheint ihm jedenfalls die Passage gestrichen zu haben und der Grund dafür (und auch für Rashids Auftauchen) war eine Nachricht von dem imperialen Superfrachter. Ein Imperialer Handelskonsul befand sich an Bord und wollte mit seinen Handelsgilde-Vertretern auf der Station Kontakt aufnehmen. Nun hatten die imperialen Gildenvertreter auf unserem letzten Gildentreffen ja endgültig Abschied von ihren Geschäften genommen, wenn auch unfreiwillig. Das hatte ja diese ganze Misere ausgelöst. Offenbar hatte niemand es für nötig gehalten, im Imperium mal anzurufen. Dass die Nachricht mit einem ISD-Code unterfüttert war, dass die taktischen Informationen Blus und mein Traum wenig Vertrauen erweckten, ließen die Ahnung aufkommen, dass der Handelskonsul vielleicht etwas ungehalten reagieren könnte. Und wenn ich „ungehalten“ sage, dann meine ich „mit Raketen“.
Julie fasste meinen Verdacht auf die kommende Aufgabe konkret zusammen: Wir, die wir bei dem Aufklären des Mordes und ihrer Entführung dabei waren, sollten alle Informationen sammeln, am besten inklusive Mörder, und den Imperialen begrüßen. Dr. Krieger hatte ganz offenkundig kein Interesse daran und sah die einmalige Chance gekommen, auf kreative Weise von der Station zu verschwinden; nämlich, indem die Station verschwinden würde. July machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Also hieß es: Frisch ans Werk für Kriegsherr, Ruhm und Vaterland!

Im Asphonshor-Hauptbüro ließen wir unseren Einfluss spielen, um schließlich an das Who-is-Who der Rotröcke zu gelangen. Nein, nicht die Asphokhun Corai, sondern der heimliche Star: Kein geringerer als der strahlende Aspho-Meorak Ruben Laplace empfing uns und unsere Frage nach den Morduntersuchungen. So hell wie seine Haut war er allerdings in seinem übergroßen Kopf nicht. Er schien irgendwie überhaupt nicht bei der Sache zu sein. Andererseits machte Dr. Krieger mit seinem Auftritt die Enttäuschung mehr als wett, als er Laplace quasi seinen eigenen Job erklärte. Chapeau, sagt man glaube ich bei den versnobten Taesari. Jedenfalls erhielten wir die Untersuchungsberichte und aus denen ging hervor, dass die Attentäter der von uns gefundenen Attentäter des loxonischen Untergrundes eine Splittergruppe der ahmandischen Halbmondgeschwister waren. Ja, das klingt genauso verknotet wie das, was meinem Gehirn passiert, wenn ich nur länger darüber nachdenke.

Mit den Informationen jedenfalls konnte Dr. Krieger seine Kundendatei nach entsprechenden Waffengeschäften überprüfen und wir fanden uns im „Haus der Ahnen“ ein, und von dieser wenig sympathischen Kaschemme habe ich schon in meinem letzten Eintrag erzählt. Diesmal waren wir wenigstens außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten da. Mit den Söldnern der Söldnergilde war der laden aber gut gefüllt. Bewacht von einer Horde Söldner tranken wir nett Tee mit einem der loxonischen Untergrund-Köpfe, wobei ich mir einen Tipp an die Asphonshor nur deswegen verkneife, weil ich mir dann Sorgen um meinen Kopf machen würde und der gute Mann sicherlich für seinen Kopf hervorragend vorgesorgt hatte. Jedenfalls waren laut seiner Aussage innerhalb seiner Organisation bereits Köpfe gerollt, weil der Angriff auf die Gilden keine offizielle Aktion des Untergrundes war. Man habe sich bereits um die Attentäter und ihre Unterstützer gekümmert, lediglich der Drahtzieher sei geflohen. Wobei der Drahtzieher wohl als Dokumentfälscher bekannt sei und ein Tipp an die Asphonshor habe die auf den Drahtziehe angesetzt. Ich weiß nicht, ob es mich beruhigen soll, zu wissen, dass die Asphonshor Arbeit für den Untergrund erledigt. Aber gut, noch ein Knoten im Gehirn.

Offenkundig kannte sich Rashid in Fälscherkreisen aus, denn er präsentierte bald den Namen des Verdächtigen. Ich hingegen erhielt erst mal einen Anruf von Insiron Jehendral, der mich bat, eine Ansprache an das Volk von Rokanghet zu richten. Mittlerweile war überall eifriges Kofferpacken oder kopfloses Suchen nach einem abdockendem Raumschiff ausgebrochen. Offenkundig zählen Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht gerade zur Stärke der hiesigen Bevölkerung, was mich bei statistisch 2,4 Hinrichtungen pro Monat nicht wundert. Das lädt zum Desertieren geradezu ein.
Habe ich schon erwähnt, dass die Loxoner hier sogar einen Untergrund gebildet haben? Da soll mir mal einer zeigen, in welchem konföderierten Protektorat es so was sonst noch gibt! Ich möchte keinesfalls sagen, dass ich das fehlgeschlagene Attentat auf Goral bedaure, aber wenn das für ihn kein Weckruf war, was muss dann noch passieren? Gut, vielleicht ist Rokanghet auch einfach viel zu international, als dass sich eine überzeugte Gemeinschaft aufbauen könnte. Eine Horde von Egoisten hat sich hier breit gemacht, ohne jede Ideale. Es ist einfach nur noch traurig. Aber wenigstens lieben diese Egoisten mich und was lag da für die Führung näher, als einen Hilferuf an mich zu schicken. Und natürlich war ich sofort bereit, mich an diese Front zu stürzen. Man stelle sich vor, ein Weichling wie Goral würde sich in einer solchen Stunde an die Leute richten! Den nimmt doch keiner ernst! Schon allein deswegen musste ich handeln.
Ich will nicht mit Details langweilen – meine Sendung ist ja im Netzwerk gespeichert – aber sie war glorreich, geradezu heldenhaft.

In der Zwischenzeit hatten die anderen herausgefunden, dass der Drahtzieher von den Asphonshor festgenommen worden war und in einer Zelle auf einem Kreuzer versauerte. Gut gelaunt machten wir also einen Ausflug dorthin und ihn nach einem kurzen, aber effektiven Verhör mitgenommen. Blu machte ihm seine Wahl recht deutlich: Entweder Exekution oder die Chance auf eine Auslieferung ins Imperium, mit lebenslänglicher Aussicht auf den Mars vom Gefängnismond Phobos aus. Der Hinweis war sehr großzügig von Blu, weil der Gefangene dadurch schnell kooperierte. Für Gorals Hinrichtungsstatistik ist es jedoch ausgesprochen tragisch.

Text: Daniel
Dauer: 3h
EP: Goodies vom SL

Kommentare sind geschlossen.