Antwort auf: [RF] Ein Spiel der Rubine – Die Händler-Protokolle

Startseite Forum Gruppenforen NiL – NOVA in Leipzig [RF] Ein Spiel der Rubine – Die Händler-Protokolle Antwort auf: [RF] Ein Spiel der Rubine – Die Händler-Protokolle

#5337
Renegat
Teilnehmer

SESSION 2: Sorals Vidiary, Eintrag X82

Ein übereifriger Asphonshor hat mir heute abend noch einen Patienten in den Terminkalender gedrückt, daher komme ich erst jetzt zu diesen Aufzeichnungen. Dieser Muksiron Torwin hat den Testosteronspiegel eines Tokmarden. Dass er eine Kameradin sexuell belästigt haben soll wundert mich nicht, auch wenn er nach eigenen Worten unter „belästigen“ einen Fausthieb ins Gesicht versteht. Bei den Schocktruppen ist er jedenfalls richtig aufgehoben, beweisen ja auch seine hervorragenden Missionsabschlüsse. Eine Anti-Aggressions-Therapie halte ich für verschwendete Ressourcen. So ein Mann auf einer Raumstation ist wie ein Kampfhund im Zwinger. Der braucht einfach Auslauf. Also mit besten Empfehlungen zurück.

Aber jetzt zu gestern. Den Attentätern auf die Gildenversammlung im Ekratos Shine war die Flucht geglückt, ziemlich spektakulär möchte ich sagen. Die Explosion zeugt von einem kreativ-schizoiden Charakter des Organisators, mit einem Hang zum Größenwahn.
Nachdem wir den Staub der heftigen Sprengfallen-Detonation abgeklopft haben, Blu – das ist dieser Minelauvaner mit der gynophobischen Störung dessen vollen Namen ich schon wieder vergessen habe – von einem MediBot verarztet wurde, folgten wir unser vielversprechendsten Spur: Die Angestellte des Shine, die einerseits zur Schicht nicht aufgetaucht war, andererseits zu einer ungeplanten Schicht tags zuvor aufgekreuzt war, Kim Shitako. Merkwürdigerweise konnte Barbesitzer Bray auf ihre Wohnadresse nicht von Ferne zugreifen und im Shine zeigte sich auch, warum: Jemand hatte ihre komplette Personalkartei gelöscht. Während dieser taesarische Halb-Novat, Krieger, die Datei wieder herstellte, lernte ich an der Theke einen Allianzaraber kennen, Abdul mit einem unendlich langen Nachnamen. Faszinierende und sehr einnehmende Persönlichkeit, beherrscht die alliierte Bazar-Manipulationstechniken genauso wie die freundliche, subtile Drohung. Seine Gewürzladung steckte wohl aufgrund der Handelsblockade von Rokanghet im Zoll und daher war er mehr als bereit, uns dabei zu helfen, die Verbrecher ausfindig zu machen, die einen Keil zwischen die Gilden treiben wollten.
Ich hätte ja bei Frau Shitako einfach geklingelt, aber Blu musste unseren Auftritt überdramatisieren. Wir drangen also ungefragt ein und erwischten die völlig verängstigte Kim Shitako gerade, als sie durch einen Wartungsschacht zu fliehen versuchte. Ich versuchte die Terranerin sehr freundlich davon zu überzeugen, mit uns zu kooperieren, während Abdul und Blu unverholen Gewalt androhten. Ehe sie einen Nervenzusammenbruch erlitt verriet sie uns, dass ein Loxoner sie zu ihrer Tat im Shine gezwungen hatte. Dessen Leute hatten ihre Schwester in ihrer Gewalt. Krieger erkannte den Erpresser nach einer Beschreibung als einen dubiosen Geschäftspartner seiner Waffenschiebereien. Ich bin mir sicher, Kriegers Geschäfte sind nicht alle so legal, wie es das Gesetz unseres glorreichen Vaterlandes fordert. Dass man ihn gewähren lässt nehme ich als Indiz großer Weisheit unseres Geheimdienstes. Daher habe ich ihn mal um ein Beratungsgespräch gebeten. NOTIZ an mich: Termin ausmachen.
Über einen wichtigen Kontakt von Blu erhielten wir einen genaueren Hinweis zu dieser Person: Sie soll sich öfter auf Hangardeck 3, Abteilung C, herumtreiben. Aus meinen vertraulichen Patientengespräche weiß ich, dass dort Schmuggler ihr Unwesen treiben. Shitakos Erpresser hieß Jake Yakashi und treibt sich des öfteren im „Haus der Ahnen“ herum. Logischerweise war das unser nächstes Ziel. Ich jedenfalls fand das „Haus der Ahnen“ so heruntergekommen, als hätten eben jene Namensgebe die Spilunke als letztes renoviert. Seither treiben sich vor allem Dockarbeiter und traditionell gekleitete Loxoner dort herum. Beim Personal – erstaunlicherweise keine Bots sondern Menschen – wird gespart. Sie besitzen keine anständige Kleidung; Ihre Fetzen lassen die Großteile ihres Körpers unbedeckt.
Zugegeben ich hätte vielleicht vorher meine Urlaubskleidung anziehen sollen und nicht meinem üblichen, konföderierten Bürgeranzug. Ich habe die schöne Conaresh-Brosche abgenommen. Möglicherweise einen Moment zu spät, ja. Aber nun mal ehrlich: Wir sind auf einer konföderierten Station! Alle Personen im Haus der Ahnen sind nun mal Gäste in unserem wunderbaren Reich. Da kann man ja wohl erwarten, dass die Leute Nezordrular sprechen! Ich habe diese feindseligen Blicke sehr wohl gemerkt ja. Aber ernsthaft: Wenn eure tollen Samurai wirklich so großartig sind, dann hätten sie vor 10 Jahren auch gewonnen. Ihr habt aber verloren. Kommt endlich darüber hinweg! Ich kenne da therapeutische Literatur…
Durchatmen, Soral. Einundzwanzig, zweiundzwanzig… Jedenfalls hat mir der Barkeeper – der ganz klar Minderwertigkeitskomplexe hat, sonst hätte er sich nicht dazu hinreißen lassen – mir einen kochend heißen Sake serviert. Ich mag das Gesöff sowieso schon nicht aber die Beleidigung hinter der Geste war sogar mir klar. Ich habe das Glas in einem Zug geleert. Fand er wohl gut, und die loxonische Runde an einem Tisch auch. Während die anderen sich hinter ihren Gläsern versteckt haben hatte ich die Gelegenheit genutzt und Erstkontakt hergestellt. Es gelang mir, ein wenig mit meinen übernatürlichen Fähigkeiten zu flunkern. Allerdings präsentierte mir ein Möchtegern-Samurai ein Katana und ich konnte tatsächlich ein Echo aus der Vergangenheit spüren. Das Schwert hatte eine jahrhundertealte Geschichte und viel Blut an der Klinge. Das frischeste stammte – wie ich im Nebel der hohen Ebene sehen konnte – von keinem geringeren als Jake Yakashi. Das war natürlich ziemlich ungünstig für unsere Ermittlungen. Der Besitzer glaubte meiner Ausführung über die Zukunft des Schwertes leider nicht und forderte uns auf, ihn in ein Hinterzimmer zu folgen. Was für ein Klischee! Wie sich herausstellte war der Beinahe-Samurai aber tatsächlich recht ernst zu nehmen; nicht wegen seines wichtigtuerischen Auftretens hinter dem ich zunächst entwicklungshistorische Unsicherheit vermutete, sondern weil er tatsächlich ein vollständiges Waffenset eines Samurai besaß. Familienbesitz, wie ich durch meine Vision wusste. Es ist eigentlich unmöglich einen Halb-Novaten zu beeindrucken aber die Schwertfamilie ließ sogar Kriegers Augen überquellen. Vermutlich war die Selbstbezeichnung „König von Hangardeck 3“ doch nicht so abwegig, zumindest wenn man es finanziell betrachtet. Er gab unumwunden zu, Yakashi selbst getötet zu haben. „Weil ich von ihm enttäuscht war.“ Diese Loxoner! Wenn ich das machen würde wäre meine Couch eine Schlachtbank. OK, Jake hatte ihn wohl hintergangen. Aber der verlorene Sohn hatte wohl ein Geheimversteck und der Samurai teilte uns das auch mit, nachdem wir gelobt hatten, und nie wieder in Abteilung 3C sehen zu lassen. Was bildet der sich eigentlich ein, wer er ist? Es braucht nur einen schlechten Tag eines Apshonshor und der ist schneller bei seinen Ahnen als er „Katana“ sagen kann.
Beim Versteck entdeckten die anderen eine Menge, während ich vor allem nur eine offene Quartier-Tür vor mir sah. Wie sich herausstellte war es von einem Spezialteam gestürmt worden. Die Überfallenen – mutmaßlich die Attentäter auf die Gildenversammlung und Entführer von Julie, der Chefin der ekrainischen Gilde – waren wohl tot, aber ihre Leichen abtransportiert. Merkwürdigerweise hatten sie Julie gefesslet und geknebelt in einer kleinen Abstellkammer zurück gelassen. Man sollte meinen, dass das Erlebnis der Geiselnahme Julie in einen Schockzustand versetzt hätte. Aber ihr Narzismus ist so monumental wie ein imperialer Titan-Schlachtpanzer und so stolzierte sie hinaus, nachdem sie sich herab gelassen hatte, uns ein paar Fragen zu beantworten. Ich mag sie. Der Ort war natürlich aufgeladen mit Emotionen und daher ein leichtes, auf der Hohen Ebene die Fäden zu finden, die mich in die Vergangenheit zogen, um zu sehen, was in diesem Quartier geschehen ist. Ich konnte mitererleben, wie die Leute – es waren auch die zwei falschen Asphonshor darunter – von fünf Angreifern extrem präzise nieder gemacht wurden. Die Angreifer schienen sich zu vergewissern, dass es Julie gut ging, ehe sie ihre Spuren verwischten und abzogen. Nur eine Patronenhüle vergaßen sie, die unter ihre Transportkapsel gerollt war. Ich entdeckte noch etwas anderes, aber das ist eine heikle Sache. Diese Information teilte ich allerdings bislang nur mit Blu, er erschien mir vertrauenswürdig genug.
Jedenfalls ist unsere Suche hier wohl erst ein Mal beendet. Hoffen wir, das Krieger etwas über dies Projektil herausfinden kann. Wer auch immer den Plan verfolgt, Zwietracht unter den Gilden zu sehen, er hat sich sehr viel Mühe gegeben und die Sache fast perfekt durchgezogen. Aber wer könnte ein Interesse haben, dass die Gilden nicht mit einer Stimme sprechen? Will eine Gilde ihre Macht ausbauen? Die Blockade schadet doch allen. Sehr viel unangenehmer ist die zweite Möglichkeit, die mir einfällt: Jemand möchte nicht, dass auf die Militärführung Druck ausgeübt wird, die Blockade zu lockern. Der konföderierte Geheimdienst?

Ich bin immer noch ziemlich erschöpft. Es ist zwar schon spät aber eine Runde in dem buddhistischen Tempeln zur Meditation sollte mir gut tun. Zumal ich morgen Julie in der Sendung habe. Das könnte interessant werden.

Text: Daniel
Spieldauer: 3h
EP : ?

Kommentare sind geschlossen.