Antwort auf: [Bossa Nova] Logbuch

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#2871
Balu (N074G37H)
Teilnehmer

Session #1 – Crashing Csárdás

Der Raumkreuzer „Sophia Cordelia“ raste mit einem drittel der Lichgeschwindigkeit durchden leeren Raum. Nahezu alle der 175 Passagiere an Bord schliefen und nur wenige der 25 Angestellten der Fluggesellschaft waren zur Wache auf ihrem Posten. Auf ihrem Weg aus der zentralen Zone in die Weiten des Marginums hatte das Schiff seine letzten Halt in ahmandischen Gefilden vor Tagen passiert und kreuzte auf seinem Weg zur nächsten Station die gesetzlosen Systeme des Valbaro Rift.

John Bredford

John „Fluffy“ Bredford, einer von vier Bordingeneuren der Sophia Cordelia hatte eine lange Nacht hinter sich. Zwar ersparten ihm die Nachtschichten die Aufmerksamkeit des verhassten Chefingeneurs, doch das änderte wenig an seiner Überzeugung, dass man ihn zur Strafe auf diese Route versetzt hatte. Es bestand der generelle Konsens, dass das sie entweder stinklangweilig war, oder tödlich.
Das Aufleuchten der Warnlichter der Reaktorkontrolle verhieß immerhin etwas zu tun. Die Geräte hatten eine Exotische-Materie-Reaktion festgestellt. Fluffy kannte das Protokoll: Reaktorneustart. Und er kannte die Doktrin: Keine Verzögerungen.
Unwillig die Verantwortung für die Entscheidung selbst zu tragen, kontaktierte der Techniker den Piloten, der ihn genauso verantwortungsscheu weiter verwieß. Als er schließlich den Kapitain an die Strippe bekommen hatte, war dieser nicht nur heftig verkatert, sondern auch ziemlich erbost und verwieß die Entscheidung wiederum an den Chefingeneur.
Fluffy entschied für das Protokoll und gegen die Doktrin. Und natürlich lag er damit in jemandes Augen falsch. Kaum verließ das Schiff den Feldflug, meldete sich ein ungehaltener Chefingeneur und fragte nach dem Grund. Immerhin konnte Fluffy seinen Vorgesetzten bewegen sich die Daten selbst anzusehen, doch der Chefingeneur kam zu einem anderen Schluss und befahl die wiederaufnahme des Fluges. John Bredford protestiterte nicht, er hatte die Verantwortung abgegeben.

Claire Norris

Die Uhr an der Kabinenwand zeigte sechs Uhr Schiffszeit. Die junge Halbxeracor setzte sich im Bett auf und starrte durch das Kabinenfenster in die schwarze Leere des Alls. Es war nicht ihre Kabine. Natürlich nicht, sie hatte keine Kabine auf diesem Schiff. Aber in Ahmand hatte man ihr sehr deutlich gemacht, dass sie die Gastfreundschaft überstrapaziert hatte und so saß sie nun auf diesem Schiff, in einem fremden Bett dessen Besitzer zu betrunken gewesen war um noch etwas mit ihr anfangen zu können und wurde langsam wach.
Hinter sich hörte sie leises Atmen, ruhig und unregelmäßig. Nein, regelmäßig. Bei dem Gedanken das hinter ihr zwei Personen im Bett lagen schauderte sie. Sie hatte definitiv nicht genug getrunken um einen besoffenen Kerl mit zweien zu verwechseln. Ein Blick über die Schulter ließ sie erstarren. Definitiv nicht genug, um einen besoffenen Kerl mit zwei FRAUEN zu verwechseln.
Ein sanftes Zittern ging durch den Rumpf des Schiffes. Claire sammelte ihre wenige Habe zusammen und zog sich an, wohl darauf bedacht nicht allzu viele Geräusche zu machen, dass sie sich wieder aufs Bett gesetzt hatte, um ihre Schuhe anzuziehen, merkte sie erst, als sich ein verlangender Arm um sie schlang, und versuchte sie zurück ins Bett zu holen. Vorsichtig befreite sich die junge Frau und ging zur Tür, die sich viel zu laut öffnete, ehe sie die Kabine verließ.
Nur um kurz darauf wieder hinein zu gehen. Die beiden Frauen auf dem Bett langen ineinander gekuschelt. Sie machte sich daran die Kabine zu durchsuchen, während die „Sophia Cordelia“ erneut erzitterte. Ein kurzer Blick in den Schrank enthüllte blankes Chaos, doch in den Nachtschränkchen fand die hungrige Frau, wonach sie gesucht hatte: Einen Credstick. Und ein Tagebuch. Sie steckte beides ein und verließ zum zweiten mal die Kabine.
Im Gang kam ihr ein Stuart entgegen, der sich umgehend nach ihrem Wohlbefinden erkundigte. Er erklärte ihr auch den Grund für das Zittern des Schiffes – eine Kurskorrektur, wie er sagte – und es fiel Claire nicht schwer, einen Tee auf Kosten des Hauses für sich heraus zu schlagen.

Roger Smith

Das sanfte Tschirpen der Türkontrolle weckte den Halb-Novat aus seinem Schlummer. Ein Blick auf die Uhr enthüllte die Schiffszeit: 06:00 Uhr Morgens. Verschlafen erhob er sich und öffnete die Tür, vor der einer der Stuarts stand. Dieser entschuldigte sich verlegen und bat den Mediziner, bei einem Zwischenfall auf der Krankenstation behilflich zu sein, ein Zwischenfall, der sich wenig später als ein Schiffsarzt mit heftiger Lebensmittelvergiftung heraus stellen sollte.
Nach kurzer Suche fand der Halb-Novat sowohl Brechmittel als auch eine Dosis Regenerationsnaniten im Bestand der Krankenstation und brachte beide zu vorgeblich medizinischen Zwecken an sich. Er verabreichte das Brechmittel, ergötzte sich am Ergebnis und verordnete dem Arzt einige Stunden Ruhe.
Als er kurz darauf die Krankenstation verlassen wollte, erinnerte ihn der Stuart höflich an die Naniten, die zurückzugeben er vergessen hatte, nachdem sie – glücklicherweise – nicht notwendig gewesen waren.

Auf dem Gang vor der Station traf Roger auf Claire, immernoch in Begleitung des Stuarts, der ihr Tee versprochen hatte und im Laufe der kurzen Konversation stand auch ein Morgentee für den Arzt im Raum.
Ein Ruck schüttelte das Schiff. Noch ehe sie die Messe erreicht hatten, hallten Sirenen durch die Gänge. Fluffy hatte die Anweisung seines Vorgesetzten wider besseren Wissens aktzeptiert und nun, da sich die Reaktion statt zu verschwinden selbstständig machte, war es in seinen Augen Zeit die Kurve zu kratzen.
Der Stuart wies Roger und Claire den Weg zu den Rettungskapseln. Gegenüber den anderen Passagieren im Vorteil, da bereits wach und angekleidet, erreichten die beiden die Kapseln als erstes, geschlagen nur von dem Schiffstechniker, der den Alarm ausgelöst hatte.
Trotz Alarm waren die Kapseln noch nicht frei gegeben, daher entschied sich Fluffy kurzerhand, das System zu überbrücken und eine der Kapsel manuell zu öffnen. Er winkte die beiden hinter sich herein und löste die Abschusssequenz aus, kaum das die sie das Innere betreten hatten.

Erst eine halbe Minute später realisierte Roger, dass die Rettungskapsel Platz für sieben weitere Personen bot, während die drei durch das einzige Fenster der Kapsel auf die stille Sillouette der Maria Cordelia blickten.
Nach drei Minuten wurden weitere Rettungskapseln abgesprengt, nach fünf begann sich das Heck des Schiffes gefährlich zu wölben, doch die schweren Panzerplatten hielten das Schiff selbst dann noch zusammen, als es rot glühend aus dem Blick der drei Gestrandeten verschwand.

Beinahe sechs Stunden dauerte der Flug der Kapsel zu einem nahen Planeten, sechs Stunden nur erträglich gemacht durch die reich ausgeschmückten und nicht ganz jugendfreien Geschichten der Halbxeracor, interessant genug um von der ständigen Lebensgefahr abzulenken.
Doch es war längst nicht ausgestanden. Fluffy tat sein bestes, um die Kapsel ordentlich zu landen, es gelang ihm jedoch kaum – immerhin verfehlte er das Meer, stattdessen traf die Kapsel eine Felsformation mitten in einer riesige Steppe, ehe sie dutzende Kilometer über das flache Land taumelte, und schließlich in einer Baumgruppe zum liegen kam. Während Fluffy und Roger in ihren Geschirren ordentlich durchgeschüttelt wurden, schien die Angelegenheit für Claire eher eine sportliche Übung zu sein.
Letztendlich verweilte die Kapsel in einer Position, die Roger und Fluffy in ihren Harnischen praktisch von der Decke hängen ließ. Während Roger von Claire befreit wurde, die beim versuch ihn zu fangen unter ihm zusammen brach, entschloss sich Fluffy es selbst zu versuchen, stürzt ab und brach sich mehrere Rippen.
Nachdem der Mediziner den Techniker mit Hilfe der an Bord befindlichen medizinischen Ausrüstung – darunter Regenerationsnaniten – versorgt hatte, entschloss sich die Gruppe, die Umgebung zu erkunden. Abgesehen von reichlich Nebel und Bäumen zwischen 5 und 15 Minuten in jede Himmelsrichtung fand sich jedoch nicht viel.
Abgesehen davon hatten sie sich verlaufen und nur die Tatsache, dass die Raumanzüge einander orten konnten, erlaubte es Roger und Claire zu Fluffy und der Kapsel zurück zu finden.
Zu allem Überfluss stellte Fluffy fest, dass die Kapsel kein Notsignal sendete, konnte jedoch die Ursache nicht verorten, bis ihn Roger auf ein rießiges Loch in der Außenhülle der Kapsel aufmerksam machte, genau an der Stelle, an der die Kommunikationssystem hätten sein sollen.

Der Doctor versuchte inzwischen anhand seiner Funde die Position der Gruppe zu schätzen – keine leichte Aufgabe da niemand eine Ahnung hatte, in welchem System die Sophia Cordelia havariert war. Alles deutete auf einen Steppenplaneten hin, dessen Tageszyklus in etwa doppelt so lang war, wie der der Erde und sie waren gegen Abend gelandet. Eine eisige Nacht stand bevor.

Doch nicht nur das, weitere Erkundungen am nächsten Morgen brachten keine Spur des Komrelais zutage und auch wenn Claire und Roger durchaus Hinweise auf tierisches Leben fanden, begegnete ihnen kein einziges. Es musste eine Entscheidung getroffen werden: Die Kapsel zerlegen, um einen Signalverstärter zu improvisieren, der wenigstens einen Notruf systemweit absetzen konnte, oder se intakt lassen und abwarten, wer kommen würde um sie zu retten.

In Abwesenheit der Anderen zerlegte Fluffy mehrere Raumanzüge, um die intergrierten Comlinks zusammenzuschalten, hat jedoch wenig Glück. Schließlich jedoch gelingt es ihm immerhin, etwas zusammenzuschustern, dass gut die dreifache Sendeleistung der Anzüge hat – an sich nicht genug, erweißt es sich später als wichtige Komponente des Transmitters für das Notsignal.
Außerdem entschloss er sich nach Zusammenstößen zwischen den anderen beiden, die Waffen an Bord der Kapsel ihrer Munition zu berauben und diese in der Nähe zu verstecken – ein Plan der vor allem deshalb fehl schlägt, weil eine Brotkrumenspur aus Patronen gut sichtbar zum Versteck führt, das von Claire kurz nach der Rückkehr gefunden wird.

In einem letzten verzweifelten Versuch das Komrelais doch noch zu finden, senden Roger und Fluffy die deutlich Hitzeresistentere Claire in die Mittagshitze um den ursprünglichen Aufschlagsort der Kapsel und damit das Kommunikationsrelais zu finden. Zwar erreicht sie den einsamen Felsen, doch außer einem Klumpen verbogenen Blechs und zusammengeschmolzener Kabel findet sie nichts.

Die Nacht vergeht nicht ohne Reibereien, schließlich setzt Fluffy dem Doktor seine Waffe an die Stirn und droht sie zu benutzen – nur um fest zu stellen, dass der Lauf vor seinen Augen zu Pudding zerfließt.

Die Morgensonne entschärft die Spannungen und man konzentriert sich wieder auf das gemeinsame Ziel. Die Kapsel wird ausgeschlachtet und Fluffy arbeitet mit dem Doktor am Bau des Relais, während Claire die inzwischen wieder Metall gewordenen Reste des Revolvers futtert. Schließlich ist das Relais nicht nur einsatzbereit, sondern sogar tragbar und leistet deutlich mehr, als sich Fluffy erhofft hatte.

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