Antwort auf: [C&C] Charakter Balu "Dyson"

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Balu (N074G37H)
Teilnehmer

Every Day Work

„141.“ „Was kann ich für sie tun, Mr. Tarin?“ Der Globe schwebte aus dem Ladealkoven und in Richtung des Ingeneurs, der über einen Skizzentisch gebeugt stand und in der Holoprojektion an einem Implantatentwurf arbeitete. „Ich brauche die Kalkulationen, die ich dir aufgetragen habe.“ Der Ingeneur sah den Artifikanten nicht an sondern starrte auf seinen Entwurf, während er sich mit einer Hand über die Bartstoppeln strich. Auf dem Gesicht des Mannes zeichnete sich eine Reihe schlafloser Nächte ab, der Termin für seine Präsentation rückte näher und bisher hatte er nur magere Fortschritte gemacht.
141 verband sich mit dem Skizzentisch und lud die Berechnungen ins System. George Tarin ächzte. „Das kann doch nicht wahr sein. Bist du sicher?“ Der Globe bemerkte das aufkommen von Widerwillen, natürlich war er sich sicher, seine Programme machten keine unsinnigen Rechenfehler. „Positiv.“ antwortete er in neutraler Tonlage, so wie er es tausende Male zuvor getan hatte.
„Mach sie nochmal.“ knurrte der Ingeneur.
„Ich habe die Berechnungen doppelt überprüft“ Obwohl sie natürlich beim ersten Mal richtig gewesen waren. „und mehrere Variationen ihrer Parameter getestet. Ich spreche ihren Entwürfen die theoretische Möglichkeit nicht ab, aber das Material gibt diese Belastungsprofile nicht her.“
Eine Faust krachteauf den Skizzentisch, das Hologramm darüber flackerte kurz. „Dann brauchen wir anderes Material.“ „Weder Maritea noch Chronos Cybermotives verfügen über Materialien, die ihren Anforderungen entsprechen.“ ergänzte der Globe, natürlich hatte er auch dies überpüft. Der Ingeneur funkelte 141 wütend an, der Globe schwebte gesichtslos vor George, ein stahlgrauer Ball aus Duraplast. „Wie auch immer.“ seufzte er und wandte sich wieder dem Skizzentisch zu. „Ich bin sowieso ruiniert.“
141 überlegte einen Augenblick lang, er hatte nicht nur Lösungen innerhalb der vorgegebenen Parameter gesucht, sondern auch darüber hinaus und dabei eine Möglichkeit gefunden, die Pläne des Mannes umzusetzen. Vor seinem Treffen mit Shinya, dachte er, hätte er diese Lösung vermutlich angeboten, trotz des Wissens, dass ihn die organischen angestellten nicht als echten Mitarbeiter wahr nahmen und alle seine Lösungen selbstverständlich als die ihren aktzeptierten oder schlicht zurückwiesen.
„Es gibt eine Option nicht weit außerhalb ihrer Parameter.“ konstatierte er schließlich. Georges Schultern spannten sich, das einzige äußere Zeichen seines Widerwillens gegen die Worte, die ihm das Wohlwollen Dr. Jannens retten würden. „Welche?“
Das Holo flimmerte, die Daten wurden gespeichert, danach erst nahm 141 die nötigen Veränderungen vor. Der Ingeneur betrachtete das Ergebnis und schnaubte verächtlich, dabei war er vor allem auf sich selbst wütend, denn nachdem sie aufgezeigt war, schien die Lösung offensichtlich: Eine einfache Modifikation des Faserquerschnitts.
„Akzeptabel.“ meinte er mehr zu sich selbst als zum Artifikanten und nahm seine Arbeit wieder auf. 141 klinkte sich aus und zog sich auf sein Ladepodest zurück, es war 06.30 Uhr, noch anderhalb Stunden, bis der Großteil des Teams ins Labor kommen würde.

„Wir bekommen nicht mehr Platz.“ bellte Dr. Jones einem Einwurf seines Assistenten. „Wir müssen mit dem zurecht kommen, was uns zugewiesen wurde. Dr. Jannen hat klare Vorgaben gemacht. Also sehen Sie zu, dass Sie die Abschirmung passend konfigurieren.“ er scheuchte den jüngeren Mann mit einem Wink an die Arbeit und richtete die scharfen Augen hinter dem altertümlichen Zwicker auf der Hakennase auf einen anderen seiner Angestellten. „Wie weit sind die Steuerprogramme?“ Der junge Mann, der gerade zwei Wochen für das Team arbeitete und sich noch nicht an seine ruppige Art gewöhnt hatte begann stotternd seinen Bericht, mittem im Satz fuhr ihm Jones ins Wort. „Ihr Termin war gestern. Wenn sie bis morgen nicht fertig sind, gebe ich ihren Job einem Artifikanten.“ Der junge Mann zuckte zusammen. Dr. Jones Blick wanderte weiter. „141, die …“ „Sind bereits in ihre Arbeitsstation geladen.“ entgegnete der Globe ganz selbstverständlich. „Dr. Enhara hat ein vorläufiges Energieprofil für die Servomotoren abgegeben. Ich habe ihren Optimismus angemessen korrigiert, die Originaldaten sind wie üblich archiviert.“ Dr. Jones lächelte nicht, er nickte und fauchte schon den nächsten Mitarbeiter an.

„Vorsichtig, ganz vorsichtig.“ ermahnte John Turner durchs Intercom. Der Ingeneur saß hinter der dicken Panzerglasscheibe, die den Reinraum vom Observationszimmer trennte und beobachtete die Arbeit des Artifikanten mit Argusaugen. Wörtlich, seit einem Arbeitsunfall trug er eigens von A&C für ihn entworfene Implantate Modell Argus 3.
Natürlich gab es keinen Grund für seine Ermahnungen. 141 legte an seine Arbeit die höchsten Ansprüche an, wie alle anderen seiner Serie ebenfalls. Langsam und präzise navigierte er den Fokuskristall mit Hilfe des Schleppstrahlprojektors durch die künstliche Schwerelosigkeit. Er hatte das Projekt „Mikrogenerator“ von Anfang an mit großen Interesse betrachtet. Oberflächlich gesehen ging es um nichts weiter als um die Skalierung eines bereits existierenden Modells. Natürlich war es nicht so einfach, denn der Ausgangspunkt war bereits hochkompakt. Die Aussicht das System nocheinmal um 50% verkleinert zu haben ohne die Leistung zu beeinflussen empfand der Globe als äußerst positiv.
Die Modelle zeigten gute Werte, die Einzeltests hatten keine Hinweise für Schwierigkeiten aufgeworfen, nun fügte der Artifikant ein Teil nach dem anderen unter den wachen Augen des Chefingeneurs an seinen Platz.
Ein Massenprodukt würde er nicht werden, dieser Generator. Zu kompliziert, zu teuer für den imperialen Markt. Doch 141 interessierte sich relativ für den Vermarktungswert der Entwicklungen und Prototypen aus dem Labor und im Gegensatz zu vielen anderen seiner Kollegen teilte auch John Turner diese Position. Deshalb, so war der Artifikant überzeugt, hatte Turner mehr Durchbrüche erzielt als die meisten anderen Mitarbeiter des Teams gemeinsam und darum hatte Dr. Jannen ihn ausgewählt.
Der Fokuskristall erreichte sein Lager welches ihn willens auf nahm und automatisch arretierte. Beinahe erwartete 141 das das leise Summen der Magnetfeldemitter einsetzen zu hören, doch natürlich passiert nichts.
Nach fast vier Stunden Arbeit schließlich zog 141 die letzte der winzigen Schrauben fest. Vor ihm lag nun das fertige Produkt, ein Würfel mit knapp 8 Zentimeter Seitenlänge und abgrundeten Kanten und Ecken, kaum mehr als ein Kilogramm schwer. Behutsam stellte der Artifikant ihn auf einem kleinen Podest ab.
Die Schwerkraft normalisierte sich und Turner betrat den Raum, um das Wunderwerk der Technik zu begutachten. „Testlauf um 17.00.“ kommentierte er gen 141 und ignorierte den Artifikanten anschließend, vollkommen versunken in „sein“ Meisterwerk. Der Globe verließ den Raum, um sich anderen Aufgaben zu widmen und er spürte Bitterkeit in sich aufkeimen. Noch konnte er nicht genau sagen, ob er wütend auf die sein sollte, die ihn seit Jahren so marginalisierten, oder ob er Shinja zürnen sollte, der ihn erst darauf aufmerksam gemacht hatte.

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