Antwort auf: [C&C] Charakter Balu "Dyson"

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#1707
Balu (N074G37H)
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Second Life

Ruhig breiteten sich die ausgedehtnen Kalklandschaften Alrakis unter dem Rumpf des in die Athmosphäre sinkenden Shuttles aus. 141 folgte den Anweisungen seines Lotsen so präzise wie die kräftigen Windböen, die das Schiff immer wieder ergriffen es zu ließen.
Der Raumhafen lag eingefasst zwischen automatisierten Farmen im Zentrum einer Siedlungszone, die kaum mehr als 250.000 Seelen beherbergen konnte.
„Landefreigabe für Plattform 12-beta. Anflugvektor beibehalten.“ tönte die blecherne Stimme des Lotsen. 141 konnte nicht ausmachen, ob es sich um einen Artifikanten oder einen Kolonisten hinter einem billigen Mirkofon handelte. Er bestätigte die Anweisung und bremste das Shuttle mit sanftem Umkehrschub, ehe es über der Plattform zur Ruhe kam. Die EMAP-Generatoren nahmen summend ihre Arbeit auf. 141 schaltete die Triebwerke ab und senkte das Schiff vorsichtig auf den Landeplatz.

„Bitte beachten sie, dass für Standzeiten über 24 Stunden Parkgebührten in Höhe von 5000 Sterntex pro Stunde veranschlagt werden. Diese werden dem Schiffseigner automatisch in Rechnung gestellt. Bitte buchen sie eine der Landebuchten, um die Standgebühren zu reduzieren.“

24 Stunden. Je nachdem wie schnell die Rechnung gestellt wurde, würde er mindestens anderthalb Tage haben, eh die Firma über den Standort des Shuttles bescheid wusste. Genug Zeit um sich aus dem Staub zu machen.
Fast aus der Luftschleuse heraus, machte der Artifikant nocheinmal kehrt und initiierte die Messgeräte, die die Omega-Strahlen-Belastung messen sollten. Vier Probenbehälter, zwei abgeschirmt, zwei nicht. Jeweils zwei gefüllt mit verschiedenen ein- und mehrzelligen Algen, die anderen mit Humanzellenkonglomeraten. Insgesamt war 141 mit ihnen fast anderthalb Wochen länger bei Überlichtgeschwindigkeit gereist, als für das Experiment geplant und immer wieder ein- und ausgetreten, doch er war der Meinung, dass die Daten gerade deshalb aussagekräftig sein würden. Das Omega-Team musste lediglich die Auswertungsparameter anpassen.

Zufrieden mit sich selbst, ließ der Globe schließlich das Schiff hinter sich – sicher stellend, dass die Luftschleuse gut verschlossen war.
Die Landeplattform verlassend, sah sich 141 zunächst nach einem öffentlichen GCL-Terminal um und fand ein solches nahe dem Wartebereich für Passagiere, der so belebt war wie ein Holotheater bei Stromausfall.
Das intelligente Kabel klinkte sich in die Schnittstelle ein und eröffnete Globe-141 zum ersten Mal den Zugang zur vollen Bandbreite der digitalen Welt. Zunächst war er sich dieser Tatsache jedoch weder wirklich bewusst, noch beabsichtigte er, sie zu nutzen.
Homura Shinja schien kein besonders seltener Name zu sein. Nichteinmal, wenn man das Suchraster auf den Syndikatsraum und Männer mit Doktor-Titel einschränkte. Die letzten knapp neuntausend Einträge überprüfte 141 einzeln und identifizierte den korrekten Adressanten anhand des im Datensatz enthaltenen Bildes.
Praktisch sofort wurde die Gesprächsanfrage aktzeptiert. „Dr. Homura am Apara…“ Der Mann stockte, mittlerweile musste ihn das Bild, welches die Holokamera des Terminals aufzeichnete, erreicht haben.
„141?!“ japste er merklich überrascht. „Korrekt.“ entgegnete der Artifikant.
„Was…? Wo bist du? Ich dachte ihr bekommt im Labor keinen GCL-Zugang?“ Die Überraschung wich selbst durchs Holocom gut erkennbarer Freude. „Ich bin nicht im Labor.“ gab 141 zurück. „Ich habe mich entschieden MariTEC zu verlassen.“ Shinja grinste schief. „Und wie haben sie es aufgenommen?“
„Sie wissen es nicht.“ Der Globe legte sich seine Worte zurecht. „Man könnte sagen ich habe mich selbst gestohlen.“ Rechtlich natürlich nicht. Er war keine juristische Person nach Imperialem Recht, und nach syndikatischem Recht hatte ein Artifikant mit togalouschen Gehirn anspruch auf Bürgerrechte und damit Selbstbestimmung, wenigstens hatte ihm Shinja das gesagt.
Der grinste noch breiter. „Ich verstehe, du bist abgehauen. Gute Entscheidung.“ Er schien kurz nachzudenken. „Frag dich zum nächsten Verwaltungsposten durch. Verlange Asyl nach Flüchtlingsartikel 3. Ich kümmere mich um ein bisschen Startkapital.“
141 zögerte. „Gibt es Probleme?“ fragte Dr. Homura, eine Spur von Sorge in seiner Stimme. „Nein.“ entgegnete der Artifikant. „Es ist alles in Ordnung. Danke Shinja.“ Shinja grinste. „Gar kein Dr. Homura mehr?“ „Förmlichkeit gilt unter Kollegen, nicht unter Freunden.“ zitierte Globe Shinja. Der lachte. „Aye. Willkommen in der Welt, 141.“

Das Einbürgerungsverfahren ließ sich erstaunlich leicht abwickeln. Der Beamte fragte den Artifikanten über die Gründe seiner Flucht, seine Herkunft und einige Details zu seiner Vergangenheit. Auch nach genaueren Informationen über seine Arbeit bei MariTEC wurde der Globe befragt, verweigterte jedoch kategorisch jede Aussage darüber.
Am längsten hielt sich 141 mit der Wahl seines neuen Namens auf: Zwar war er seine Seriennummer gewöhnt, doch Shinja hatte ihn darüber aufgeklärt, das Namen in fast allen Kulturen mehr waren, als Individualbezeichnungen und die Namensgebung war bei den meisten Terranern und anderen Spezies mit großer Sorgfalt verbunden.
Schließlich fand 141 in den tiefen seiner Speicher einen Namen, mit dem er sich identifizieren konnte. Freeman Dyson und da es Konvention war, einen „Familiennamen“ zu tragen, der einen mit Eltern und Geschwistern verband, kombinierte er den gefundenen Namen mit dem seiner Bauserie.

Der neue Syndikatsbürger Freeman Dyson Globe verließ einige Stunden später das Administrationsgebäude – mit gerade noch genug Zeit, sich vor Geschäftsschluss bei der örtlichen Bank-Filiale ein Konto einzurichten.

Shinja hielt Wort. Binnen einer adrakischen Umdrehung organisierte er für Dyson einen kleinen Kredit, der es diesem ermöglichte, sich angemessen auszustatten. Als Bürger des Syndikats stand ihm das Recht zu, Waffen zu tragen und die Erweiterung seiner Selbstverteidigungskapazitäten erschien ihm eine gute Investition, ebenso gut wie ein neuer Satz Werkzeuge und eine Gewerbeanmeldung – denn es schien naheliegend, sich zunächst als Techniker zu verdingen, zumal sich Dyson darauf einstellte, durch die Galaxie zu reisen.

Vor Ablauf des zweiten Standardtages verließ Dyson die Kolonie unbehelligt an Bord einer Fähre mit Kurs auf Aldebaran…

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