Antwort auf: [C&C] Charakter Balu "Dyson"

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#1700
Balu (N074G37H)
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Ein Hauch von Freiheit

Mit einem sanften Zischen öffnete sich das rudimentäre Exoskellett. Globe-141 zeichnete gewissenhaft sämtliche Daten auf, seinen Sensor-Tentakel auf das Geschehen gerichtet. „Ende Test 25“ kommentierte Shinja seinen Ausstieg und rieb sich den Nacken, dort wo der Neurolink saß, den sie als Schnittstelle verwendeten. „Der Pilot bekommt immernoch viel zu viele Rohdaten.“ erklärte Shinja und schüttelte den Kopf. Globe hatte die Geste bei ihm schon des öfteren bemerkt, er tat dies, um seinen Kopf von zuvielen Eindrücken oder Gedanken zu befreien. „Es wäre von Vorteil, wenn sie mir genauer sagen könnten, welche Art von Daten reduziert werden kann.“ entgegnete Globe, nicht nur, weil es seine eigene Auffassung war, sondern auch weil er die Worte oft genug von den Softwareingeneuren gehört hatte. Shinja nickte abwesend., dann entstand eine Pause.
„Sie sind es gewohnt im Horizon zu leben. Ist davon auszugehen, dass sie eine höhere Toleranz gegen die Datenflut haben?“ fragte 141 schließlich, die Kamera noch immer auf Shinja gerichtet.
Es war drei Uhr morgens, alle außer ihnen hatten das Labor längst verlassen. Der Globe war beeindruckt von der Zielstrebigkeit des jungen Wissenschaftlers, der als Experte für Neuralschnittstellen ins Team gekommen war. Über HORIZON wusste Globe-141 nur, was Shinja ihm in ihren Nachtschichten berichtet hatte. Und bisher hatte er den Eindruck gehabt, dass das Neon-Interface und HORIZON nicht allzu verschieden waren.
Erneut schüttelte Shinja den Kopf, diesmal verneinend. „HORIZON und unsere Höllenmaschine haben genauso viel gemeinsam wie Ochse und Stier.“ Globe überlegte. „Die genetische Struktur ist die selbe, aber das eine ist gefügiger?“ fragte er. „Exakt. HORIZON ist ein sanftes Streicheln, allein der Sensor-Output von Einheit-1 ist ein Tritt in die Eier.“ Globe schwebte zu dem in eine Halterung eingespannten Exoskelett, dem bisher alle Sehnen und Muskeln fehlten. Die Kybernetik-Experten waren gerade dabei, Flexoren und Servomotoren einer generalüberholung zu unterziehen.
Das intelligente Kabel mit dem Neurolink des Globe schlängelte sich aus einer kleinen Öffnung im Äquator des Artifikanten hervor und klingte sich in das System ein.

Sofort sah Globe die Welt um sich herum mit anderen „Augen“. Seine eigenen hochentwickelten Sensoren erschienen ihm plötzlich mangelhaft.
„Im Rahmen der von Dr. Jannen vorgegebenen Parameter, sehe ich keine Möglichkeit weitere Programmfilter zu initiieren.“ erklärte Globe-141 und gab sich mehr Zeit als nötig, die Welt durch die überscharfen Augen von Einheit-1 zu betrachten.
Shinya war in drei Spektren gleichzeitig absolut scharf zu sehen. 141 konnte sie durchschalten oder alle gleichzeiti anzeigen lassen, wobei der Filter in diesem Fall alles außerhalb des normalen optischen Bereichs gesondert kennzeichnete.
„300% sind eindeutig zuviel. Aber wenn wir die Sekundärzonen rastern, könnten wir die Last erheblich reduzieren, ohne die Rundumsicht zu stark einzuschränken. Das Feintuning der Manöver soll ohnehin die KI tragen. Außerdem kann sie Aufmerksamkeitsbereiche auslesen und gesondert anzeigen.“ Shinja dachte laut vor sich hin, er tat dies des öfteren und hatte 141 gebeten, ihn dabei stets aufzunehmen und daraus Audiologs für spätere Referenzen zu erstellen. im Augenblick schien Shinja aus zwei Richtungen zu sprechen, da die Sensoren von Einheit-1 und 141 nicht synchronisert waren.
141 löste die Verbindung und schwebte durch den Raum an eine der Arbeitsstationen. „Wenn Dr. Jannen und mehr Autonomie für die KI gestatten würde, wäre das Problem einfach zu lösen.“ entgegnete Globe-141.
In den Augen des Artifikanten war die Arbeit am „Neon“-System zwar wissenschaftlich interessant und erfüllender, als einfache Implantatentwicklung, dennoch war es ausgesprochen ineffizient.
Die von Dr. Jannen erträumte Maschine mit einer autonomen KI auszustatten wäre deutlich effizienter gewesen – und billiger.
„Tja, wir müssen das beste aus dem machen, was wir bekommen.“ Shinja grinste und trat neben den Globe. „Aber genug für heute.“ er atemte durch und ließ sich erschöpft auf einen Stuhl sinken. „Heute noch was vor?“ Globe-141 klinkte sich in das Computersystem ein und speicherte das Audiolog, sowie einige vorläufige spezifikationen für das von Shinja vorgeschlagene Raster. „Mr. Jakobi äußerte einen Gedanken, der die Transferleistung der Belastungsgitter um 6.2% steigern könnte. Ich denke die Änderungen sollten nicht mehr als drei Stunden in Anspruch nehmen.“
Shinja lachte. „141. Du brauchst dringend ein Hobby.“ spottete er, wie schon des öfteren in den vergangenen Wochen. „Mein Hobby, Mr. Homura, ist es ihnen bei ihren Vorschriftswidrigen nächtlichen Experimenten zu helfen.“ gab der Roboter neutral zurück. Erneut lachte der Wissenschaftler. „Und langsam entwickelst du sogar Humor. Aber ernsthaft. Es gibt soviel mehr da draußen, als Kybernetik und Software. Planeten wie du sie dir in deinen wildesten Träumen nich vorstellen kannst, außeridrische Völker mit den seltsamsten Bräuchen und Traditionen…“ Globe klinkte sich aus dem Computersystem aus. Er selbst hatte keinen GCL oder ICL-Zugang. In gewisser Weise war er wie der anzug, den sie bauten, in sich geschlossen, abgetrennt von der größeren Welt.
„Erzählen Sie mir von diesen Gebräuchen Mr. Homura.“ antwortete er aus einem Impuls heraus. „Vielleicht sind sie ein gutes Hobby.“

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